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Badekultur in Island – jetzt UNESCO Welterbe – Katla Travel

Die Isländische Badekultur ist von der UNESCO zum immateriellen Welterbe der Menschheit aufgenommen worden. Warum spielt gemeinsames Baden in heißem Wasser bei den IsländerInnen so eine wichtige Rolle und ist so beliebt?

Der Blick vom Infinitypool auf die im Fluss Hvítá treibenden Eisschollen ist atemberaubend. Erst im Oktober 2025 wurde die Laugarás Lagoon, ein sehr schickes Thermalbad in Südisland, eröffnet und dass hier vor allem am Morgen wenig los ist, hat sich bis jetzt, im November, noch nicht herumgesprochen.

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Laugarás Lagoon in Südisland: Isländische Badekultur in modernem Thermal-Spa-Look

Zum Glück, denn so haben wir das gesamte Areal für uns allein: einen heißen Wasserfall, von mächtigen Granitblöcken umrahmte Pools, eine Panoramasauna und mehrere Bereiche, von denen man, bis zur Nasenspitze in heißem Wasser liegend, auf den Fluss und die Brücke über die Hvítá gucken kann – Luxus und Entspannung ganz nah am Golden Circle.

Island: Ein Freibad in fast jedem Dorf

Gemeinsam Schwimmbäder zu besuchen, gehört seit Langem zur isländischen Kultur. So tief verwurzelt ist diese Badekultur in der isländischen Gesellschaft, dass in beinahe jedem Dorf ein Freibad steht; in Reykjavík gibt es Schwimmbäder in mehreren Stadtvierteln. Viele Dorfschwimmbäder öffnen frühmorgens und dann abends wieder für jeweils ein paar Stunden.

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Badekultur in Island heißt Spaß und Entspannung für alle Altersgruppenn

Manche „Bäder“ auf dem Land bestehen nur aus zwei oder drei heißen Pötten, aber in den allermeisten gibt es auch ein kühleres 25-Meter-Becken zum Schwimmen und natürlich einen Bereich für Kinder, schließlich werden isländische Kinder schon im Säuglingsalter mit ins Bad genommen. Nichtschwimmer in Island zu finden, ist sehr schwer, und wer auf Familienreise in Island ist, kann sicher sein, dass die Kinder von einem Besuch im Freibad begeistert sein werden.

Wie entstand die besondere Badekultur in Island?

Islands einzigartige Badekultur ist zuallererst der Tatsache zu verdanken, dass Island mit heißem Grundwasser mehr als gesegnet ist. Die Insel ist aufgrund ihrer Lage an der Grenze von eurasischer und nordamerikanischer Kontinentalplatte geprägt von Vulkanismus  – die Aktivitäten im Untergrund sorgen dafür, dass Grundwasser in sehr vielen Gegenden auf heißes Gestein trifft und sich dadurch erwärmt.

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Im Hochthermalgebiet Krýsuvík spürt man die Erdwärme

An manchen Stellen im Land ist es im Untergrund so heiß, dass das Wasser zu Dampf wird und von geothermischen Kraftwerken über Turbinen in Energie umgewandelt wird.

An anderen Orten wie Hverarönd am Berg Námafjall in Nordisland und Krýsuvík auf der Halbinsel Reykjanes im Süden Islands bilden sich Hochthermalgebiete mit brodelnden Schlammtöpfen, fauchenden Fumarolen und Solfataren. Heißes Grundwasser ist auch für den Geysir Strokkur, das weltweit bekannteste geothermische Phänomen Islands, verantwortlich.

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Hverarönd: Das Hochthermalgebiet nahe dem See Mývatn gehört zu den Höhepunkten einer Islandreise

Vom heißen Bach zum Hot Pot

Ohne das massenhafte Vorkommen heißen Wassers hätte sich die isländische Badekultur nicht entwickeln können. Bevor Schwimmbäder flächendeckend auf der Insel gebaut wurden, traf man sich in heißen Bächen wie im Reykjadalur bei Hveragerði und staute, bevor man sich hineinlegte, mit Hilfe von Steinen Wasser auf.

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Reykjadulur: Baden im heißen Bach in Südisland

Badekultur, die mindestens bis ins 12. Jahrhundert zurückgeht

Weil man es auch schon vor einigen Jahrhunderten gerne warm und gemütlich hatte, entwickelten sich an vielen Orten fest eingefasste Pools, heute bekannt als Hot Pots, in denen man sich regelmäßig verabredete, um neuesten Klatsch, aber auch wichtige Informationen und Geschichten auszutauschen. Snorralaug in Westisland ist der älteste schriftlich erwähnte Hot Pot in Island, die ersten Aufzeichnungen über ihn gehen auf das Jahr 1178 zurück.

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Badekultur in grandioser Natur

Aber auch der Grettislaug in Nordisland lässt sich bis in das 12. Jahrhundert zurückverfolgen, und die Quelle Gvendarlaug in den Westfjorden wurde der Sturlunga-Saga nach im 13. Jahrhundert von einem Bischof geweiht.

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Für einen Kaffee findet sich immer ein Platz in der isländischen Natur

Badekultur: Rückzugsort in eisigen Wintern

In heißem Wasser kann man aber nicht nur entspannen, plaudern oder Körperpflege betreiben. Für Menschen in früheren Jahrhunderten war das Bad auch eine Möglichkeit, sich mit wenig Aufwand richtig aufzuwärmen.

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Hochthemperaturgebiete liegen in der Vulkanzone, die sich quer durch Island in Nord-Süd-Ausrichtung erstreckt

Das machte sich im 18. Jahrhundert auch Eyvindur Jónsson („Fjalla-Eyvindur“: „Eyvindur aus den Bergen“) zunutze, der wegen Diebstahls aus der Gemeinschaft verbannt worden war und deshalb mit seiner Frau Halla Jónsdóttir einige Winter im Hochland an den heißen Quellen von Hveravellir verbrachte. Das isländische Hochland verschwindet im Winter über mehrere Monate unter meterhohem Schnee, es ist ziemlich ausgeschlossen, dort ohne heißes Wasser zu überleben, aber heiße Quellen machen es auch für sehr Hartgesottene möglich – Badekultur im Survivalmodus…

Schwimmbäder und Schwimmunterricht

Anfang des 20. Jahrhunderts entschloss man sich in Island trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten zum Bau von Schwimmbädern im ganzen Land. Für die Bevölkerung hieß es Anpacken, und in Zusammenarbeit mit Gemeindeverwaltungen entstanden auch in winzigen Dörfern Bäder mit Schwimmbecken. Ein typisches Schwimmbad aus der damaligen Zeit ist das Seljavallalaug in Südisland. Es wurde beim Vulkanausbruch des Eyjafjallajökull im Jahr 2008 vollständig unter Vulkanasche begraben, mühsam wieder ausgegraben und entwickelte sich seitdem zum Insta-Hotspot.

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Seljavallalaug: Vom beinahe vergessenen Schwimmbad zum Insta-Liebling

Badekultur und überlebenswichtiger Nutzen

Der Hintergrund des Schwimmbad-Baubooms war wenig romantisch: Auf See ertranken bei Fischereiunfällen zu viele Menschen, die nicht schwimmen konnten. Mit dem flächendeckenden Bau von Schwimmbädern wurden Schwimmkurse für alle eingeführt und die Nichtschwimmerquote drastisch gesenkt. Und auch heute noch ist der Schwimmkurs für Schulkinder obligatorisch.

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Isländische Badekultur? Besser geht nicht!

Schwimmbad als Teil des sozialen Lebens in Island

Über den praktischen Nutzen des Schwimmunterrichts hinaus hat das öffentliche Bad aber eben auch wichtige soziale Komponenten. Das Schwimmbad lässt soziale Unterschiede einfach verpuffen – in einem isländischen Schwimmbad sind alle gleich. Eine der isländischen Schwimmbadregeln besagt zum Beispiel, dass sich alle vor dem Eintauchen ins warme Wasser ausgiebig nackt unter der Dusche zu waschen haben, egal, ob Millionär, Handwerker oder Professor.

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Unterwegs am Lagarfljót zu den Vök Baths nahe Egillsstaðir

Die Schwimmbadkultur wird von Generation zu Generation weitergegeben, indem Eltern ihre Kleinkinder mit ins Schwimmbad nehmen. Wenn die Kinder größer werden, besuchen sie weiterhin die Schwimmbäder, nehmen an Schwimmkursen teil und verbringen dort Zeit mit Freunden oder der Familie.

Weit verbreitete Badekultur

Studien haben herausgefunden, dass 79 Prozent der isländischen Bevölkerung regelmäßig in eines der über 120 Schwimmbäder im Land gehen. Es gibt Freundesgruppen, die sich dort regelmäßig treffen, in etwa so, wie man in Deutschland zum Stammtisch geht. Das Schwimmbad ist aber auch Fitnessbude, Heiratsmarkt, Kindergarten und Jugendtreff, immer geht es um Austausch, Entspannung, körperliche Betätigung und natürlich Spaß.

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Wer ein Ferienhaus mit Hotpot mietet, kann die schönsten Abendstimmungen ganz privat erleben

Fitness, Film und gemeinsam Baden

In den letzten zwei Jahrzehnten sind neben vielen Schwimmbädern Fitnesszentren entstanden, die vom Baybturnen bis zum Seniorensport Kurse anbieten oder über einen Kraftraum verfügen.

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Entspannung in den Mývatn Nature Baths

In manchen Orten werden Filmfestivals und Konzerte in Schwimmbädern veranstaltet, in anderen treffen sich die Einheimischen zum Kaffeetrinken. Island ist sehr dünn besiedelt, auf dem Land leben die Menschen oft azf weit voneinander entfernten Bauernhöfen, das Schwimmbad im nächsten Dorf ist eine bequeme öffentliche Möglichkeit, sich zu treffen.

Isländische Badekultur: Dem Winterblues im Schwimmbad entfliehen

Heißes Wasser lindert Gelenkschmerzen und entspannt die Muskeln. und wem in der dunklen, nasskalten Jahreszeit die Decke auf den Kopf fällt, der findet körperliche und psychische Erholung im Hot Pot. Die positiven Auswirkungen von warmem Wasser sind in verschiedenen isländischen Studien belegt und sagen, dass gemeinsames Erholen in heißem Wasser Menschen verbindet, egal, welchen Alters und welcher sozialer Herkunft. Gemeinsames Baden und stärkt soziale Verbindungen, die für Gesellschaften essentiell sind.

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Hotpot: Dem Winterblues ein Schnäppchen schlagen

Wer in Island zum Beispiel auf einer Islandrundreise unterwegs ist, wird feststellen, dass die Isländerinnen und Isländer eher zurückhaltend sind. Aber sobald man gemeinsam im Hot Pot sitzt, verwandeln sich viele in kontaktfreudige Gesprächspartner. Deshalb empfehlen wir wärmstens, während einer Islandreise regelmäßig die kleinen Dorfschwimmbäder zu besuchen und nicht nur in den neuen und sehr schicken Thermalbädern einzutauchen. Wir empfehlen, wenn vorhanden, so oft wie möglich den eigenen Hot Pot am Ferienhaus zu nutzen, oder in einen warmen Wasserfall oder aufgestauten heißen Bach zu gehen – alles unvergessliche Ereignisse.

FAQ: Badekultur/Baden in Island

1. Warum ist Baden in Island so beliebt?

Baden gehört in Island zur Alltagskultur. Geothermisch beheizte Pools, Hot Pots und Spa-Retreats sind feste Bestandteile des Lebens und beliebte soziale Treffpunkte.

2. Wo kann man in Island baden?

In Island gibt es über das ganze Land verteilt öffentliche Schwimmbäder, Hot Pots, Spa-Retreats, Naturbäder und heiße Quellen.

3. Muss man vor dem Baden in Island duschen?

Ja. Vor dem Baden ist gründliches Duschen Pflicht. Das ist ein zentraler Teil der isländischen Badekultur und dient der Hygiene.

4. Duscht man in Island ohne Badebekleidung?

In öffentlichen Schwimmbädern ja. Das ist in Island üblich und wird als normaler Teil der Hygiene vor dem Baden angesehen.

5. Kann man in Island das ganze Jahr baden?

Ja. Die meisten geothermisch beheizte Schwimmbäder und Thermalbäder sind ganzjährig geöffnet, auch im Winter.

6. Sind heiße Quellen in Island immer sicher?

Nein. Nicht jede heiße Quelle ist zum Baden geeignet. Manche Quellen sind zu heiß oder liegen in gefährlichen geothermischen Gebieten.

7. Was sind Hot Pots?

Hot Pots sind kleine heiße Becken mit warmem Wasser. Sie gehören in vielen isländischen Schwimmbädern ganz selbstverständlich dazu. Auch viele Ferienhäuser verfügen über einen eigenen Hot Pot.

8. Kann man in Island auch in der Natur baden?

Ja. Es gibt Naturbäder, heiße Quellen und geothermisch erwärmte Badeplätze in schöner Landschaft. Dabei sollte man immer nur ausgewiesene Orte nutzen und den Platz sauber zurücklassen.

9. Ist Baden in Island teuer?

Nicht immer. Öffentliche Schwimmbäder sind deutlich preiswerter als viele bekannten Luxus-Thermalbäder. Isländische Badekultur geht also auch preiswert.

10. Ist Baden in Island für Familien geeignet?

Ja. Die Schwimmbäder in Island sind familienfreundlich und bieten Kinderbecken, Rutschen oder mehrere Becken für verschiedene Altersgruppen.

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Der Kleifarvatn liegt in der aktiven Vulkanzone auf der Halbinsel Reykjanes

 

Fotos: Thomas Linkel (14), Mývatn Nature Baths (1), unsplash: Karsten Winegeart (1),

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