Der Golden Circle mit Nationalpark Þingvellir, Geysir und Gullfoss und die Südküste mit ihren zahlreichen Highlights sind unumstrittene Lieblingsziele in Island. Aber wie ist es im November an diesen populären Spots? Lohnt sich ein Besuch in der Nebensaison? Das alles heute in Teil 2 unserer Reise „Island im November“.
Am 8. November verlassen wir Akureyri und den Norden Islands (einen Rückblick auf den ersten Teil unserer Reise findet ihr HIER), um in den folgenden Tagen den Golden Circle und die Südküste bis zum schwarzen Strand Reynisfjara in der Nebensaison zu erkunden. Alle Spots, die wir besuchen, finden sich übrigens auch in der Katla-Reise mit dem schönen Namen Gletscher, Nordlichter und heiße Quellen, ein Titel, der, das können wir jetzt schon verraten, definitiv nicht zu viel verspricht …
Spannende Fahrt in den Süden (8.11.)
Wie auf der Fahrt in den Norden kommen wir auch jetzt wieder durch das Städtchen Borgarnes, das bei Reisenden ein beliebter Zwischenstopp ist, egal, ob sie auf dem Weg zur Halbinsel Snæfellsnes sind (wird wunderbar erkundet in der Reise Island zum Kennenlernen – West & Süd), in Richtung Norden fahren oder wie wir in den Süden zurückkehren. Wir machen Pause im Kaffihus, wo man (von manchen Plätzen) nicht nur auf das Meer, sondern auch auf zahlreiche Fotos einer Szene aus dem Film „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ schauen kann, die hier im Café gedreht wurde. Island ist eben nicht nur ein populäres Reiseziel, sondern auch hochgeschätzter Drehort für zahlreiche Filme und Serien.

Das Wetter an diesem 8. November: klar und sonnig, die Temperaturen liegen im Schnitt etwas über drei Grad, es geht ein mittelstarker Wind, der mit drei Schichten aus Wollunterhemd, Langarmshirt und ordentlicher Softshelljacke überhaupt kein Problem ist. 7 Stunden und 19 Minuten Tageslicht haben wir heute (Sonnenaufgang um 9:31 Uhr, Sonnenuntergang um 16:50 Uhr). Zum Vergleich: Am 1. November, also vor 7 Tagen, hatten wir noch knapp 8 Stunden Licht. Und am 14. November, also in knapp einer Woche, werden es nur noch 6 Stunden und 41 Minuten sein.

Der Plan war heute, direkt zu unserem Ferienhaus in der Nähe von Selfoss zu fahren, das nicht nur einen privaten Hotpot auf der Terrasse hat, sondern auch idealer Ausgangspunkt für eine Fahrt um den Golden Circle ist, der bei keiner Reise durch Südisland fehlen sollte. Weil das Wetter aber gut ist und ein Top-Spot des „Goldenen Kreises“, der Nationalpark Þingvellir, quasi auf dem Weg liegt, fahren wir doch schon heute dorthin. 89 Kilometer sind es von Borganes; zunächst über die Ringstraße, dann weiter über die Straße Nr. 52.

Die Sonne hat sich hinter dramatischen Wolken verzogen, als wir gegen 15 Uhr im Nationalpark Þingvellir ankommen. Es ist etwas frischer geworden, das Tageslicht schwindet. Auf dem Weg zur Aussichtsplattform knirschen Schnee und Eis unter unseren Füßen, die Reste des Wintereinbruchs im Süden des Landes vor gut einer Woche. Dann liegt die Almannagjá-Schlucht vor uns: dramatisch, zerklüftet und in matten Blautönen, hinter ihr sind der See Þingvallavatn und schneebedeckte Berge zu sehen. Was wir dagegen kaum sehen, sind andere Besucher. Außer uns ist hier gerade einmal ein halbes Dutzend anderer Menschen unterwegs – der Nebensaison-Effekt ist hier ganz deutlich spürbar.

Auf der Weiterfahrt Richtung Selfoss treffen wir rund 18 Kilometer nach Þingvellir auf das Kraftwerk Nesjavellir, das im kühlen Abendlicht ein formidables Foto-Objekt darstellt. Eingebettet in Schneelandschaft sieht das Kraftwerk mit seinen wenigen Lichtquellen und den Rauchsäulen aus, als würde gleich ein Ufo auf seinem Gelände landen.

Als wir wieder ins Auto steigen, erreicht mich die Nachricht einer isländischen Freundin: Gerade sei im Radio verkündet worden, dass heute die beste Nacht des bisherigen Jahres für die Sichtung von Polarlichtern sei. In der Tat ist der November eine wirklich gute Zeit für das Himmelspektakel – aber heute? Wir schauen skeptisch zum wolkenverhangenen Himmel, halten später rund um das Ferienhaus dennoch Ausschau – und haben Glück: Der Himmel klart auf, die Sterne leuchten und die Polarlichter tanzen.

Stadt, Lagune, Bischofssitz (9.11.)
Weil wir schon im ersten Teil unserer November-Reise Reykjavík erkundet haben, ist Selfoss, knapp 60 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, dieses Mal der größte Ort, den wir besuchen. Knapp 10.000 Einwohner hat das hübsche Städtchen am Fluss Ölfusá; es gibt mehrere Supermärkte, Cafés, ein Schwimmbad und – wie bereits erwähnt – kurze Anfahrtswege zu den Highlights des Golden Circle. Unser Ferienhaus, nur wenige Kilometer von Selfoss entfernt, liegt also ideal.

Es ist ein vermeintlich typischer Novembertag in Island, grau, verregnet, windig, Temperaturen um die 4 Grad. Wir haben eingekauft, die Food Hall in Selfoss erkundet und uns auf einen tristen Resttag eingestellt, als das passiert, was in Island immer passieren kann – im hochsommerlichen August, im wankelmütigen April und im strengen Januar: Das Wetter überlegt es sich anders, schlägt um. Immer mehr Flecken blauen Himmels sind zu sehen, Sonnenstrahlen brechen durch die Wolkendecke, der Wind lässt nach – viel zu gutes Wetter, um nicht zu erkunden. Doch wohin an einem angebrochenen Tag, an dem es früh dunkel wird? Die Antwort in Island darauf ist klar: Wir gehen ins warme Wasser!

Die Laugarás Lagoon hat erst einige Wochen vor unserer Ankunft eröffnet und ist somit das jüngste Mitglied im Club der tollen Thermalbäder in Island. Über zwei Etagen erstreckt sich das Außenbecken, das um die 39 Grad warm ist. Es gibt einen Wasserfall, eine „Einsame Grotte“, ein Haus mit Sauna und Dampfbad, einen kalten Pool und einen schönen Blick auf die Brücke über den Fluss Hvítá.

Günstig ist das Vergnügen nicht – umgerechnet 48 Euro kostet der Eintritt für einen Erwachsenen, der weder Handtuch noch Gratis-Drink vor Ort in Anspruch nimmt. Mit jeder Annehmlichkeit wird es natürlich teurer. Dafür darf man bleiben, solange man will, alles ist liebevoll und schick gestaltet – wir finden, dass man sich so ein Thermalbad auch mal gönnen darf! Vorteil der novemberlichen Nebensaison: Außer uns ist wieder einmal kaum jemand hier.

Das Wetter bleibt stabil – so stabil, dass wir nach dem Lagoon-Besuch noch einen Zwischenstopp in Skálholt einlegen, das bis 1801 bedeutender Bischofssitz war und hinsichtlich seiner kulturellen und politischen Bedeutung Þingvellir viele Jahrhunderte in nichts nachstand. In der Domkirche Skálholtsdómkirkja ist es gemütlich warm, die Sonne funkelt durch die von Gerður Helgadóttir gestalteten beeindruckenden bunten Glasfenster – ein wirklich schöner Ort.

Immer grandios: Gullfoss und Geysir (10.11.)
Weil vor zwei Tagen in Þingvellir so wenig los war, sind wir heute gespannt, wie es an den zwei anderen berühmten Highlights des Golden Circle, am Geysir und am Gullfoss, aussehen wird. Werden wir dort auch fast die Einzigen sein? Kaum vorstellbar, auch wenn jetzt wirklich Nebensaison ist und wir ja schon einige Top-Spots fast für uns hatten.

Zuerst geht es zum Gullfoss. Wir entscheiden uns dafür, ihn von der östlichen Seite zu besuchen. Am westlichen Ufer liegen Besucherzentrum, Holzbohlenwege und Aussichtsplattformen; am östlichen Ufer befindet sich nur unbesiedeltes Land, dafür ist der Ausblick grandios, und die Chancen stehen gut, für sich zu sein. Allerdings muss man etwas mehr Zeit aufbringen, um von hier den Anblick des „Goldenen Wasserfalls“ zu genießen.

Statt über die Straße 35 zum Westufer fahrt ihr die Piste 349 (am besten mit Allrad-Fahrzeug) bis zu einem Mini-Parkplatz, wo Schilder auf den Gullfoss hinweisen, und wandert schließlich noch etwa 2 Kilometer durch einsame Landschaft. Es lohnt sich wirklich – wie erhofft sind wir die einzigen Besucher am Ostufer, während auf der anderen Seite mindestens 70 Touristen stehen. Verglichen mit dem Sommer ist das immer noch wenig, ganz klar, aber eine Uferseite exklusiv für sich zu haben, ist dann doch sehr toll. Jetzt aber weiter zum Geysir Strokkur, es wird schon langsam dunkel.

Auf den Geysir ist Verlass, und das ist irgendwie ein beruhigendes Gefühl. Als wir ankommen, gehen gerade viele Menschen Richtung Parkplatz zurück, das heißt: Er ist vermutlich vor Kurzem gesprungen und wird es in wenigen Minuten wieder tun. Und wieder und wieder. Durch alle Wetterlagen und Jahreszeiten hindurch, egal, was sonst in der Welt passiert. Und in der Tat – wir müssen nicht lange warten, bis er im kühlen Abendlicht kochend heiß mindestens 20 Meter nach oben springt.

Es ist einiges los hier – wer sich jedoch einige Schritte vom Geysir Strokkur entfernt und zum Thermalbecken Blesi schlendert, wird auch hier seine Ruhe haben.

Noch ruhiger ist es im Waldgebiet Haukadalsskógur ganz in der Nähe. Nicht viele Menschen verirren sich von der Straße 35 in dieses kleine Naherholungsgebiet mit seinen zahlreichen Wanderwegen und Picknickplätzen. Und anders als am Geysir kann man hier sogar ins Wasser gehen – es gibt ein natürliches Thermalbecken mit angenehm warmen Temperaturen.

Die Magie der Südküste (11.11.)
Unser letzter richtiger Reisetag ist angebrochen: Wir sind im Dunkeln von unserem Ferienhaus bei Selfoss gestartet, um den schwarzen Strand hinter der Ortschaft Vík in der angekündigten Vormittagssonne zu erleben, aber leider kommen zeitgleich mit uns die Wolken an. Schön ist es trotzdem – und schön leer dazu, denn anders als auf Reynisfjara, dem berühmten schwarzen Sandstrand auf der anderen, der westlichen Seite von Vík, ist hier kein einziger Tourist. Ein kleiner Geheimtipp also, zumal der Strand wirklich wunderbar ist.

Die Kirche in Vík mit ihrer tollen Aussicht ist dagegen kein echter Geheimtipp, aber ein sehr schöner Fotospot. Dann geht es weiter nach Reynisfjara. Wir fahren natürlich hin, obwohl wir dort trotz Nebensaison viele Besucher erwarten – aber der Strand ist einfach zu schön, als dass man ihn links liegen lassen sollte.

Reynisfjara ist berühmt für seinen schwarzen Sand, die dramatischen Basaltsäulen und die Felsnadeln im Meer – und berüchtigt wegen der gefährlichen Sneaker-Wellen, die hier ganz unvermutet mit großer Kraft an Land rollen.

Eigentlich sollte man sich heute, so verkünden es die Warnschilder am Parkplatz, nur bis zur Mitte des Strandes bewegen, also gar nicht erst in die Nähe der Wellen kommen, aber den meisten der vielen Touristen, die heute da sind, ist das herzlich egal: Sie gehen sehr nahe ans Meer, machen Selfies, rennen kreischend weg, wenn die Wellen beim Auslaufen in ihre Richtung strömen. Ein Fotografenteam schiebt gerade ein Hochzeitspaar noch etwas näher an den Atlantik. Wir bleiben natürlich auf Abstand zum Ozean – sicher ist sicher.

Skógafoss und Seljalandsfoss, die Grandseigneurs der großen Wasserfälle an der Südküste, sind unsere nächsten Ziele. Am Skógafoss waren wir schon einmal, damals sind wir die vielen hundert Stufen zur Aussichtsplattform hochgestiegen und haben gar nicht mitbekommen, wie toll der 25 Meter breite und 60 Meter hohe Wasserfall aussieht, wenn man ihn von unten, vom Flussbett des Skógá aus, fotografiert.

Während der Fahrt zum Seljalandsfoss wird das Licht immer besser, es wird geradezu unverschämt gut, aber der Sonnenuntergang naht, und den mitreisenden Fotografen befällt leichte Unruhe. Der Seljalandsfoss muss kurz warten, denn wir biegen vorerst von der Ringstraße ab und steuern, einfach aus dem Bauch heraus, Landeyjahöfn an, den Fährhafen, von dem man auf die Westmännerinseln gelangt.

Und Überraschung: Von hier hat man nicht nur einen tollen Blick auf die Westmännerinseln in der Abendsonne, die sich langsam dem Horizont nähert. Hier befindet sich auch einer der schönsten, größten schwarzen Sandstrände, die wir jemals in Island gesehen haben. Wer also irgendwann mit der Fähre nach Heimaey übersetzen will, sollte einfach eine halbe Stunde früher kommen und die Zeit für einen Spaziergang nutzen …

Wir schaffen das heute nicht, nehmen es uns aber vor, während wir im letzten Licht des Tages zurück Richtung Seljalandsfoss fahren. Wir werden noch einmal nach Landeyjahöfn kommen. Und an die Südküste. Und nach Island generell – denn es gibt noch so viel zu entdecken …

Fazit zur November-Reise
Für uns, die wir schon häufiger in Island waren, aber noch nie später als Ende September, war auch der zweite Teil unserer November-Reise eine wirklich positive Überraschung. Das Wetter war wie zu erwarten wechselhaft, aber weder war es jemals sehr kalt (anders als während des Wintereinbruchs Ende Oktober lagen die Temperaturen tagsüber nie unter null Grad), noch gab es komplette Regentage. Und selbst wenn es einmal regnet und etwas windet – das gehört in Island einfach dazu, auch im Sommer. Mit der richtigen Bekleidung (und dem richtigen Mindset) ist man gut gegen Wind, Kälte und Nässe gewappnet. Zwischen 8. und 13.11. lagen die Temperaturen im Durchschnitt bei 4 bis 5 Grad.

Im Süden hatten wir zwischen 8.11. und 13.11. keinerlei Schnee, die Straßen waren trocken und problemlos befahrbar. Das kann sich aber jederzeit sehr schnell ändern – das muss im November einfach mit einkalkuliert werden. Auch die rasante Abnahme der hellen Stunden sollte bei den Planungen berücksichtigt werden: Anfang November gibt es noch etwa 8 Stunden Sonnenlicht pro Tag, ab Mitte des Monats sind es nur noch 6 Stunden.

Das Positivste für uns an der Reise war die deutlich geringere Anzahl an Touristen, die zu dieser Zeit unterwegs war. Im Norden, beispielsweise am Diamond Circle, war wirklich sehr wenig los, im Süden (den ihr zum Beispiel bei den Reisen Island zum Kennenlernen – Süd und Süd-Ost und Island zum Kennenlernen – Süd & West erkunden könnte) ging es etwas lebhafter zu, aber es war dennoch kein Vergleich zu den Sommermonaten. Das macht nicht nur das Fahren (auf der Ringstraße) grundsätzlich entspannter, sondern auch den Besuch von (landschaftlichen) Highlights.

Wir können Selbstfahrern eine Island-(Rund-)Reise im November also dann empfehlen, wenn sie
- kein Problem damit haben, auch mal im Dunklen und eventuell bei nicht ganz einfachen Straßenverhältnissen (eis- und schneebedeckte Fahrbahn) einen Mietwagen zu fahren,
- sich ein dementsprechend sicheres Auto, am besten eines mit Allrad-Antrieb, mieten,
- sich regelmäßig über Wetter und Straßenverhältnisse informieren,
- Wetterumschwüngen und schlechtem Wetter gelassen begegnen und
- sich Outdoor-Klamotten für alle Fälle mitnehmen – hier unsere Bekleidungstipps für Island
Fotos: Thomas Linkel
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