Meeresschwimmen in Akranes

Heute ist meine Verabredung zum Meeresschwimmen. Also fahre ich los, aber, ich muss es gestehen, mit gemischten Gefühlen. Schwimmen im Atlantik bei gerade mal 10 Grad?? Muss das sein? Ach, denke ich dann, warum eigentlich nicht!

Schwimmen vor Islands Küste

Meeresschwimmexpertin Heida, die mich zum Ausprobieren eingeladen hat, ist entspannt. Sie meint, wenn man sich erst einmal dazu entschlossen hat, dann kneift man auch nicht mehr. Wir treffen uns also im Schwimmbad von Akranes, von wo aus der Meeresschwimmverein im Sommer dreimal, im Winter zweimal pro Woche ins Meer eintaucht.

Heida sagt, das Wetter heute sei perfekt: Luft 15 Grad, Wasser 10 Grad. Und ich solle mich schnell umziehen. Sie reicht mir Socken, Neopren-Schuhe und -Handschuhe sowie eine Badekappe, die ich für völlig unnötig halte. Ein Neoprenanzug wird mir vorenthalten, den trägt man als Meeresschwimmerin nur im Winter, wenn sich die Wassertemperatur um null Grad bewegt. Heute also 10 Grad: Auf zum Strand!

Es ist Flut, das Wasser ist nah am Strand, der Boden sandig. Heidas Anweisung lautet: Langsam reingehen, ruhig atmen und im Wasser immer bewegen. Alles klar, das ist ja nun auch wirklich einfach. Okay, ich gehe dann mal … Die Schuhe sind super, man spürt die Kälte weniger, obwohl es ein komisches Gefühl ist, wenn das Wasser in die hineinläuft. Und es ist frisch, geradezu kalt. Aber ich bin tapfer, gehe nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam weiter. Als das Wasser mir bis zur Taille reicht, beginne ich zu schwimmen. Ich denke auch nicht darüber nach, dass Schuhe und Handschuhe meine Bewegungen eher einschränken und ich dadurch nur sehr langsam vorwärtskomme. Ich muss mich nur bewegen, bewegen, bewegen. Ab und an berühre ich den Meeresgrund, es ist immer noch so flach, dass ich einfach „meereslaufen“ könnte … aber wir sind ja bei den Schwimmern, also kräftig Arme und Beine durchgezogen.

Ab und an treiben durchsichtige Quallen vorbei, aber die will ich mir nicht genauer ansehen, schließlich geht es hier ja ums Überleben!

Glücksgefühl im Nordatlantik

Meine Haut kribbelt, ich spüre nicht so genau, an welcher Stelle es am kältesten ist. An den Schultern, die kaum mit Wasser bedeckt sind, oder doch an den Beinen? Als ich merke, wie meine Glieder steifer werden, schwimme ich zurück zum Ufer und wickle mich in mein Handtuch ein. Nach einigen Minuten gehe ich dick eingemummelt noch einmal mit den Füßen ins Wasser und bin überrascht, als es mir gar nicht mehr kalt vorkommt. Ein Glücksgefühl überkommt mich und ich stürze mich noch einmal in die Fluten des Nordatlantiks. Heida ist noch im Wasser, sie taucht und bewegt sich überhaupt so, als ob wir im Mittelmeer wären!.

Nach einer halben Stunde ist es dann doch Zeit, das Meer zu verlassen, und so stiefeln wir gemeinsam zum Hot Pot des Schwimmbads, um uns aufzuwärmen. Ich kann es kaum fassen, wie herrlich warm das Wasser ist und wie wohlig ich mich fühle. Wohlig und stolz. Heida lobt mich auch. Und ich bin glücklich, etwas ausprobiert zu haben, was sich nicht jeder zutraut.

Noch Tage später überkommt mich jedes Mal dieses Glücksgefühl, wenn ich an das Meeresschwimmen in Akranes denke. Und beim nächsten Islandbesuch werde ich wieder mit Heida eintauchen.

Fotos: Thomas Fluegge (unten), Tristen Lerma