2020 erschien der Roman „Eldarnir“der bekannten isländischen Journalistin Sigríður Hagalín Björnsdóttir und wurde in ihrem Heimatland zu einem Bestseller. Kein Wunder – schließlich nimmt die fiktive Geschichte um die Vulkanologin Anna die späteren realen Ereignisse auf der Halbinsel Reykjanes, wo es seit fünf Jahren unablässig brodelt und eruptiert, verblüffend genau und ziemlich beklemmend vorweg. Die deutsche Übersetzung „Islandfeuer“ haben wir nun endlich gelesen – große Empfehlung für die nächste Island-Reise!
Es gibt in der deutschen Sprache einige Vulkan-Metaphern für menschliche Emotionen und Verhaltensweisen: Da „brodeln” Gefühle lange Zeit unter der Oberfläche, werden ignoriert oder unterdrückt, bis sie schließlich doch „eruptieren” und dann großen Schaden anrichten. Da „tanzen Menschen auf dem Vulkan”, verhalten sich also angesichts nahender Katastrophen ausgelassen, ahnungslos und riskant, wollen die Bedrohung nicht wahrhaben.

Und sind Personen besonders leidenschaftlich, dann sie werden von Schlagersängern wie Tony Holiday besungen, der angesichts der von ihm verehrten, offensichtlich temperamentvollen Dame schließlich konstatierte: „Du bist so heiß wie ein Vulkan – und heut’ verbrenn ich mich daran.” Im Roman „Islandfeuer” bleiben die Kräfte der Natur auf der Halbinsel Reykjanes genauso wie die des menschlichen Herzens lange unbeachtet – was unweigerlich zu gewaltigen Katastrophen führt.
Eine Vulkanologin im Mittelpunkt
Im Mittelpunkt des Romans „Islandfeuer” steht Anna Arnadóttir, Professorin für Vulkanologie und Leiterin des Instituts für Geowissenschaften in Reykjavík. Sie ist Mitte 40, seit über 20 Jahren verheiratet mit Kristinn, einem Steueranwalt, mit dem sie Sohn Örn (23) und Tochter Salka (8) hat. Annas Alltag verläuft in arbeitsreicher Routine, bis zwei Ereignisse ihr Leben in Aufruhr versetzen: Auf der Halbinsel Reykjanes kommt es zu einem Vulkanausbruch mit unabsehbaren Folgen für die Bevölkerung. Und sie lernt den Fotografen Tómas kennen – was wiederum zunächst unabsehbare Folgen für ihre Ehe hat.

Die Arbeit in der Expertenkommission verunsichert die pragmatische Anna zunehmends – denn plötzlich zählen bei der Einschätzung der Gefahrenlage nicht mehr wissenschaftliche Fakten allein, sondern auch die Interessen der anderen Kommissionsmitglieder aus Katastrophenschutz, Tourismusverband, Justizministerium und Flughafengesellschaft. Annas objektives Urteilsvermögen schwindet, während sich die Lage dramatisch zuspitzt, was auch daran liegt, dass sich ihre Gefühle für Tómas, obwohl anfangs unterdrückt, unnachgiebig Bahn brechen.
Wissenschaft und Liebe
Die Autorin Sigríður Hagalín Björnsdóttir verwebt diese beiden Ebenen – die drohende Gefahr durch die Kräfte der Natur und die drohende Erschütterung einer Ehe/Familie – wirklich spannend und emotional und hat einen richtigen Pageturner geschaffen. Wer die Zitate aus wissenschaftlichen Publikationen, die jedem Kapitel vorangestellt sind und sich immer um Vulkanismus in Island drehen, nicht lesen will, kann sie auch überblättern und gleich wieder in die eigentliche Handlung eintauchen; ich persönlich fand die kurzen Experten-Blicke auf die Thematik eigentlich sehr interessant (auch wenn ich sie nicht immer ganz verstanden habe …).

Der reale Hintergrund des Romans
800 Jahre war die Halbinsel Reykjanes von vulkanischer Aktivität verschont – bis sie ab 2019/2020 von zahlreichen Erdbeben erschüttert wurde und es im März 2021 mit dem Ausbruch im Geldingadalir-Tal (Fagradalsfjall-System) zur ersten Eruption kam. 2022 und 2023 folgten zwei weitere, deutlich stärkere Spalteneruptionen in der Nähe.

Der Schwerpunkt der vulkanischen Aktivität hat sich seit Dezember 2023 etwa 8 Kilometer westlich auf die Sundhnúkur-Kraterreihe nahe der Stadt Grindavík und dem Geothermalkraftwerk Svartsengi verlagert. Es kam zu wiederholten, eruptiven Spaltenöffnungen, die mehrfach zur Evakuierung von Grindavík und der Blauen Lagune führten. Bis Mitte 2025 wurden über ein Dutzend Eruptionen bzw. Magmaintrusionen verzeichnet. Trotz zwischenzeitlicher Pausen im Frühjahr 2026 deutet die anhaltende Magmaansammlung unter Svartsengi darauf hin, dass die Region weiterhin hochaktiv ist und weitere Eruptionen wahrscheinlich sind.
“Islandfeuer” erschien bereits vor dem Ausbruch des Fagradalsfjall – 2025 wurde er von einer isländischen Produktionsfirma verfilmt und kommt eventuell demnächst auch in die deutschen Kinos. Bis dahin: Viel Spaß beim Lesen! Und wer Reykjanes, den Ort der Handlung von „Islandfeuer”, gerne einmal besuchen will: Bei sehr vielen unserer beliebten Reisen, wie beispielsweise der Klassischen Islandrundreise und Elfe & Trolle – Ferienhausurlaub mit Kindern, steht auch die fantastische Halbinsel auf dem Programm.
Fotos: Thomas Linkel (1), Toby Elliott (1), Netop Films (1), Einar Ingi Sigmundsson (1)
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