Wandern in Island: Abenteuer und Erholung pur

Tolle Tour: Von Dalvík ins Tal Böggvisstaðadalur

Katla-Travel-Mitarbeiterin Rita Gauland ist Expertin, wenn es um unvergessliche Wandertouren in Island geht. Heute nimmt sie uns mit auf einen wunderbaren Ausflug im Norden Islands …

Wie vor jeder Wanderung führen meine ersten Schritte in die Touristikinformation des Ortes, sofern es eine gibt. In diesem Fall hat es sich auch als sinnvoll erwiesen, es war nämlich ein recht windiger Tag. Der Herr im Touristikbüro Dalvík empfahl mir gleich diese Wanderung, es sei nur an der Küste windig, ich solle mir keine Sorgen machen, im Tal hinter der Ortschaft sei es an solchen Tagen windstill. (Vorneweg: Er hat tatsächlich Recht behalten!) Er versorgte mich mit den örtlichen Karten und sagte, ich solle mich unbedingt in der Hütte Kofinn am Ende des Tales in das Gästebuch eintragen, das sei ihnen im Ort besonders wichtig. Na dann, ich will sie ja nicht enttäuschen …

Wie alle Wanderwege rund um Dalvík beginnt auch dieser hinter der Kirche. Die ersten Meter, noch vor dem geschützten Tal, sind auf einem breiten Fahrweg schnell überwunden – und ziemlich windig. Danach geht es über die kleine Brücke zum (kurze Überlegung, wie man die Seite eines Baches bestimmt) … linken Bachufer. Es ist eine von insgesamt zwei Brücken auf dieser Strecke und jetzt muss man sich entscheiden, an welchem Bachufer man laufen möchte. Zur Durchquerung ist der Bach nicht geeignet. Nicht weil er zu breit ist, aber weil seine Strömung sehr schnell und voller Strudel ist.

Gleich nach dem ersten Hügel öffnet sich ein wunderschönes, sattgrünes, recht enges V-förmiges Tal. Der Bach schlängelt sich hinein, von den Berghängen fließen unzählige kleinere Bäche und Wasserfälle in den Hauptstrom.

Wandern im Norden Islands

Es wandert sich gemütlich und gleichbleibend in einer Höhe am rechten Berghang. Unruhe stiften nur die brütenden Vögel, wenn ich ihren Nestern zu nahe komme. Noch erkenne ich die Arten nicht, es ist aber immer wieder der gleiche Typ, braun an der Brust, größer als eine Amsel, kleiner als ein Huhn und mit langem und leicht nach oben gebogenem Schnabel. (Drei Tage später lerne ich in Sigurgeirs Vogelmuseum am Myvátn-See meine fünf Arten zu bestimmen, und diese ist die Hauptdarstellerin davon: die Uferschnepfe.)

Mit Begeisterung überquere ich die ersten Nebenbäche, es geht locker-hüpfend von einem Stein auf den anderen. Jetzt erreiche ich die ersten Wiesen, getupft mit Wollgras, in der leichten Brise sind die Köpfe schräg in Richtung Meer geneigt. Herrlich, meine nordische Lieblingspflanze. Ich mache gefühlt 50 Fotos davon, auch vom hellgrünen Moos – das schwere und immer mitgeschleppte Makroobjektiv soll ja schließlich auch genutzt werden.

Schon meldet sich ein leichter Hunger und ein schönes Plätzchen dafür ist auch erreicht. Mit einem glatten Riesenstein im Rücken, direkt am Bach – perfekt. Heute gibt es Flatkökur mit Lachs, dazu Tomaten aus den Gewächshäusern von Hveragerði. Der Gebirgsbach liefert den perfekten Sound dazu.

Nun bin ich im Tal recht weit fortgeschritten, und hier ist der kleine Pfad nicht mehr so ausgetreten wie am Anfang. Ab und zu muss ich einfach auf den nächsten Wegpfahl zulaufen, was aber nach kurzer Orientierung immer gelingt. Ich erreiche eine breite Wasserstelle, weiter oben befindet sich sogar ein beachtlicher Wasserfall! Aber nun muss ich eine geeignete Stelle finden, um hinüberzukommen. Meine Trekkingsandalen habe ich heute nicht dabei, daher muss ich über Steine hüpfen. Nach kurzer Zeit findet sich eine ganz gute Stelle, die ich nach einigen Anlaufschwierigkeiten souverän meistere.

Schon sehe ich die Brücke und die kleine Schutzhütte auf der anderen Bachseite, hier wird das Tal schon recht schmal. Die ersten Schafe grasen. Der Hauptbach ist zwar etwas schmaler, wird aber umso rascher und tiefer, es gibt eindeutig keine Alternative zur Brücke. Ich überquere kleine Hügel, die stark mit Gras bewachsen und sumpfig sind, der Pfad und die Pfähle sind nicht immer auszumachen. Aber gerade diese Stellen, an denen man seinen Weg erst suchen muss, machen so richtig Spaß! Ich setze eine ernste Miene auf, begutachte und überlege. Versuche, die Beschaffenheit des Bodens zu deuten, und halte Ausschau nach dem Weg zur Brücke, die man von hier aus nicht sieht, der Weg verschwindet hinter Hügeln und hohem Gras.

In diesem Moment treffe ich die einzigen Wanderer auf der ganzen Strecke, ein Paar, das vom benachbarten Tal herübergewandert ist und vom Berghang weiter oben kommt. Wir beratschlagen uns, wo die Brücke sein könnte. Schließlich erkennen wir aber doch den letzten entscheidenden Pfahl, der den Weg weist.

Nun aber nichts wie hin zu der Schutzhütte. Ich erreiche das kleine, rechteckige, auf Pfählen stehende Flachdachhäuschen und trage mich – wie versprochen – in das Gästebuch ein. Als Erste heute. Hätten die beiden Wanderer doch Infos beim Touristikbüro geholt, denke ich zufrieden und lächle in mich hinein. Am windstillen Vortag hatten sich neun Wanderer eingetragen.

Nun geht es aber bequem am rechten Flussufer wieder hinaus in den tobenden Wind an der Küste. Der Pfad schlängelt sich gemütlich zurück, nur einmal muss ich noch zur Pfadfinderin werden: Es ist eine recht breite, nasse Stelle, mit viel Moos und Schlamm.

Bald öffnet sich das Tal erneut, und ich wandere mit herrlichem Blick auf den Eyjafjörður und die schneebedeckten Berge dahinter. Ich nähere mich wieder langsam Dalvík, der Bach wird breiter, der Pfad eindeutiger, der Wind stärker. Den ignorieren die verrückten Uferschnepfen aber, die sich immer noch Sorgen um ihre Nester machen.

Die Lunge voll frischer isländischer Luft, den Kopf und die Kamera voller Bilder, neun Kilometer in den Beinen, erreiche ich schließlich meinen Ausgangspunkt. Es war eine herrliche Nachmittagswanderung!

 

Autorin:  Rita Gauland

 

Von Dalvík ins Tal Böggvisstaðadalur

Länge: 9 km / 4 Std.

Höhenmeter: 270 m

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