Weihnachten in Island ist eine magische Zeit mit einzigartigen Bräuchen, leckerem Essen und einer exzellenten Aussicht auf Schnee. Aber was macht das isländische „Jól“ so besonders? Was kann ich bei einer Reise über Weihnachten in Island alles erleben? Und warum hat so ein kleines Land nicht nur einen, sondern gleich 13 Weihnachtsmänner im Einsatz? Alle Antworten auf diese und noch mehr Fragen gibt es heute im Blog.
Warum dauert Weihnachten in Island 26 Tage? Wegen der 13 Trolle!
Die Weihnachtszeit in Island beginnt offiziell in der Nacht vom 11. auf den 12. Dezember: Dann nämlich kommt Stekkjastaur, der erste der 13 Troll-Weihnachtsgesellen (oder Yule Lads), aus dem Hochland zu den Menschen. Von den Kindern wird er schon sehnsüchtig erwartet; sie haben ihre Schuhe vor die Tür gestellt und hoffen, dass sich morgens eine kleine Süßigkeit, ein kleines Spielzeug oder zumindest eine Mandarine darin befindet. Eine alte Kartoffel wäre weniger gut, denn das würde bedeuten, das Kind war nicht ganz brav – aber unseren Recherchen nach kommt die Knolle im Schuh eigentlich nicht mehr vor.

Nach dem ersten Weihnachtsgesellen kommen noch zwölf weitere; der letzte ist Kertasníkir, der am 24. Dezember anrückt. Danach ziehen sich die 13 wilden Kerle Tag für Tag wieder zurück, bis sie am 6. Januar wieder alle im Hochland bei ihrer griesgrämigen Mutter Grýla und ihrem Vater Lepperlúði sind. Die Weihnachtszeit dauert also 26 Tage – vom 11. Dezember bis zum 6. Januar. Auch die Weihnachtskatze Jólakötturinn treibt im Dezember ihr Unwesen – der Legende nach verspeist sie jeden, der an Weihnachten keine neue Kleidung trägt, also im Herbst nicht fleißig war und aus Schafwolle keine Pullis oder Socken gestrickt hat.

Wie wird Weihnachten in Island gefeiert?
Natürlich hat jede Familie ihre ganz persönlichen Rituale, aber es gibt einige Bräuche, die typisch sind für Weihnachten in Island und in vielen Haushalten nach wie vor hohen Stellenwert haben. Bevor wir sie beschreiben, noch ein Blick in das Island vor 1000 n. Christus, als das Christentum noch nicht Einzug gehalten hatte (heute ist der Großteil der Isländer evangelisch). Schon damals, also in heidnischen Zeiten, wurde „Jól“ gefeiert – allerdings nicht anlässlich der Geburt Jesu, sondern weil zur Wintersonnenwende, die zwischen den 20. und 23. Dezember fällt, die Tage endlich wieder etwas länger wurden.

Die Festivitäten zur Wintersonnenwende wurden dann (wie in vielen anderen Ländern) mit christlichen Bräuchen verknüpft und später von dänischen und amerikanischen Traditionen beeinflusst. Heute ist „Weihnachten“ für die meisten Isländer gleichbedeutend mit dem 24. Dezember, auch wenn es bereits am Tag davor festlich und trubelig zugeht: Am 23. Dezember ist nämlich Þorláksmessa, ein Feiertag zu Ehren des isländischen Schutzpatrons Bischof Þorlákur Þórhallsson: Last-Minute-Geschenke, letzte Vorbereitungen, Wohnungsputz, aber auch das Essen von Kæst Skata, fermentiertem Rochen, stehen bei vielen Isländern an diesem Tag auf dem Programm.

Auftakt für die Festivitäten an Heiligabend ist schließlich das landesweite Läuten der Kirchenglocken um Punkt 18 Uhr, das im Radio übertragen wird und deshalb von allen gehört werden kann. Die Familien kommen zusammen, oft festlich gekleidet, und genießen ein ausgiebiges, meist dreigängiges Abendessen.

Dann folgt – endlich! – die Bescherung. Danach wird manchmal getanzt und gesungen, werden die neuen Spielsachen ausprobiert und die neuen Bücher gelesen. Viele Isländer sind Leseratten, und neuer Lesestoff ist auch heute noch ein beliebtes Geschenk. Da passt es gut, dass während der alljährlichen isländischen „Bücherflut“ im Oktober und November mehr Bücher auf den Markt kommen als im restlichen Jahr zusammen.

Auch der 1. Weihnachtstag („Jóladagur“) ist für die meisten Isländer ein Familientag: Manche von ihnen werfen sich noch einmal in Schale, um Verwandte zu treffen, andere bleiben im engen Familienkreis zu Hause, essen, chillen, schauen Filme. Auch am 26. Dezember bzw. 2. Weihnachtstag („Annar í jólum“) machen es sich viele in den eigenen vier Wänden gemütlich; andere zieht es dagegen nach draußen, zu Freunden, zu Veranstaltungen, in Bars oder Clubs.

Was sind typische Speisen an Weihnachten in Island?
Das wohl berühmteste Weihnachtsessen ist Hangikjöt, mit Pferdemist geräuchertes Lammfleisch, das gerne serviert wird mit Kartoffeln, Erbsen, Karotten, Béchamelsoße und Laufabrauð. Dieses traditionelle, reich verzierte Fladenbrot backen viele Familien in der Vorweihnachtszeit gemeinsam.

In vielen Haushalten gibt es an Heiligabend auch Hamborgarhryggur, gepökeltes und geräuchertes Schweinefleisch, Wild (wie Rjúpa, also Schneehuhn) oder Meeresfrüchte (Hummer, Lachs). Ein sehr beliebter Nachtisch ist der Möndlugrautur („Mandelgeschenk“), ein isländischer „Risalamande“, in dem eine ganze Mandel versteckt ist. Der Glückliche, der die Mandel in seinem Reispudding findet, bekommt ein extra Geschenk, das „Möndlugjöf“ oder „das Mandelgeschenk“.

Was kann man rund um Weihnachten in Island unternehmen?
Ein Winterurlaub in Island ist ein magisches Erlebnis, bei dem die Naturgewalten zwischen Feuer und Eis auf einmalige Weise spürbar werden: Es ist die Zeit der Polarlichter, der vereisten Wasserfälle, der verschneiten Landschaften. Es ist die Saison für Touren durch Eishöhlen, und der Besuch eines der vielen tollen Thermalbäder, wie der Sky Lagoon, macht niemals mehr Spaß als während der Winterzeit.

Rund um die Weihnachtszeit kommt noch hinzu, dass nicht nur Reykjavík und andere größere Orte festlich geschmückt sind. Auch kleinere Orte putzen sich heraus und sind, vor allem wenn Schnee liegt, sehr hübsch anzusehen. Und Silvester in Island ist natürlich ein ganz besonderes Highlight – egal, ob der Jahreswechsel in Reykjavík oder auf dem Land gefeiert wird.

Garantiert Schnee? Wie ist das Wetter an Weihnachten in Island?
Eine Garantie auf Schnee an Weihnachten gibt es auch in Island nicht – aber die Chancen auf weiße Winterpracht an den Feiertagen stehen natürlich sehr viel besser als bei uns in Deutschland. Das Wetter im Dezember ist in Island nicht so kalt, wie man es erwarten würde (die Temperaturen bewegen sich im Schnitt um null Grad), kann aber auch sehr wechselhaft sein.

Sonne, Schnee, Graupelschauer, Nebel, Schneesturm – im winterlichen Island kommt das alles vor, manchmal alles an einem Tag, gelegentlich alles sogar mehrmals an einem Tag. Darauf sollte man sich vorbereiten – u.a. mit entsprechender Kleidung. Auch die Tageslichtstunden sollten bei den Planungen berücksichtigt werden: In Reykjavík beträgt die Tageslänge im Dezember im Schnitt 4 bis 5 Stunden. Davor und danach gibt es lange Dämmerungsphasen mit einzigartigen Lichtstimmungen.

Fazit
Weihnachten in Island ist eine magische Zeit mit vielen festlichen Traditionen, leckerem Essen und einer großen Chance auf verschneites Winterwunderland. Es ist außerdem die Saison für die Sichtung von Polarlichtern, für Touren durch Eishöhlen und den entspannten Besuch in einem Thermalbad. Der Dezember ist mit durchschnittlich null Grad wärmer, als man denkt, aber das Wetter kann sehr wechselhaft sein, was in die Planungen (ebenso wie die wenigen Stunden Tageslicht) mit einbezogen werden sollte. Bei entsprechender Vorbereitung wird ein Winterurlaub in Island ein unvergessliches, wunderbares Erlebnis!
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Fotos: Thomas Linkel (8), Heidi Keller (1), reykjavík.is (1), Astra Liu/Unsplah (1), Kenneth Kuan/Unsplash (1), Einar H. Reynis/Unsplash (1)
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