Wie durchquere ich Flüsse in Island richtig?

Immer wieder gefragt, immer wieder beantwortet und immer wieder missachtet: Tipps und Tricks für sichere Flussdurchquerungen im isländischen Hochland.

Seit einigen Tagen sind die meisten Hochlandpisten wieder für den Verkehr mit Allradfahrzeugen geöffnet. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder dann so einfach dort fahren kann. Genauso wie auf einer geteerten Straße braucht man auch auf Schotterpisten Erfahrung, um sicher ans Ziel zu kommen. Ins Schleudern geratende Fahrzeuge sind auf Pisten keine Seltenheit, meist ist dafür zu hohe Geschwindigkeit der Grund (Höchstgeschwindigkeit auf isländischen Pisten: 80km/h).

Höchstgeschwindigkeit auf Pisten in Island

Für Pistenneulinge sind 80 km/h am Anfang sowieso zu schnell, also Gas runter und auf freier Strecke, wenn niemand!! in Sichtweite ist, vorsichtig das Bremsen auf Schotter üben. Es ist nämlich recht interessant, wie diese meist großen und schweren Fahrzeuge auf losem Untergrund reagieren. So präpariert fährt es sich sicherer, aber spätestens beim ersten Fluss hilft das auch nicht. Im Hinterkopf sollte man immer haben, dass die allermeisten Autoversicherungen Wasserschaden NICHT abdecken. Ein im Fluss abgesoffener Motor kann dann schnell eine Reparatur oder einen Motoraustausch im Wert von 15.000–20.000 Euro nach sich ziehen. Die Rechnung, die für die Fahrzeugrettung durch ein SAR-Team folgt, ist da noch nicht eingerechnet!

Was muss ich bei einer Flussdurchquerung beachten?

  • Am sichersten ist es immer, so lange zu warten, bis ein zweiter Geländewagen in der Nähe ist, um einem im Notfall zu helfen.
  • Wenn du dir unsicher bist, dann lieber auf eine/n erfahrene/n Fahrer/in warten, der/die vor dir die Furt durchquert.
  • Immer erst aussteigen und den Fluss vom Ufer aus begutachten. Strömung, Tiefe, Felsbrocken und Schwemmsand checken. Eine Fahrspur durch den Fluss suchen, denn vermutlich ist das der sinnvollste Weg, den schon andere genommen haben.
  • Sandalen an und den Fluss vorsichtig abwaten. Ein Seil gibt zusätzlich Sicherheit, falls du über einen unsichtbaren Stein stolperst oder in ein tiefes Loch trittst!
  • Schmale Flussstellen sind meistens tiefer und hier ist die Strömung in der Regel stärker. Nicht gut! Besser nach breiteren und damit flacheren Stellen mit geringerer Strömung suchen.
  • Du bist gestern problemlos durch den Fluss gekommen und willst heute dieselbe Strecke zurückfahren? Trotzdem aussteigen und den Fluss checken, der Wasserstand von Gletscherflüssen kann innerhalb von wenigen Stunden stark schwanken und ist grundsätzlich am Morgen immer am niedrigsten. Was heute ein Bächlein bis zum Knöchel ist, kann morgen ein Fluss bis zur Hüfte sein.

Und dann?

  • Bevor du losfährst, schalte auf 4-wheel und bei Automatik-4×4-Jeeps auf lowgear.
  • Nicht schneller als in Schrittgeschwindigkeit durch den Fluss fahren, damit vermeidest du, dass Wasser in den Luftansaugstutzen schwappt!
  • Im Fluss wird NICHT geschaltet.
  • Fahre mit der Strömung in leichtem Bogen zum anderen Ufer. Damit nutzt du den Schub des Flusses und verursachst keine große Frontwelle, die Wasser zum Ansaugstutzen drücken könnte.

Die allerwichtigsten Regeln bei Flussdurchquerungen lauten:

Gesunden Menschenverstand einschalten. Ist die Querung das Risiko wirklich wert?

NOCH WICHTIGER!!! Wenn du den Fluss nicht durchwaten kannst, dann auch niemals den Fluss durchfahren!

Mit welchem Auto man überhaupt ins Hochland fahren kann, findet ihr hier.

Und was gibt es zu Fahrten im Hochland noch zu bedenken? Safetravel.is informiert umfassend über die Sicherheit beim Fahren in Island.