Enkelin Salka: Ingimundurs Halt in einem Meer aus Trauer

Island-Kinotipp: Weisser weisser Tag

Ein isländischer Film, der seine Wucht durch die Kargheit der Bilder und die Klasse seiner Schauspieler entwickelt. Ein Film, der gleichzeitig bedrückt und beeindruckt.

Polizist Ingimundur hat seine Frau vor zwei Jahren bei einem Unfall verloren. Obwohl er nicht allein, sondern umgeben von Familie und Freunden ist, kommt er über den Verlust nicht hinweg und ist in seiner Trauer erstarrt. Nur seine über alles geliebte Enkelin, die neunjährige Salka (hervorragend gespielt von Ída Mekkín Hlynsdóttir) hat noch Zugang zu ihm.

Enkelin Salka, hervorragend gespielt von Ída Mekkín Hlynsdóttir

Während um ihn herum das Leben weitergeht und Ingimundur sogar ein Haus für die Familie seiner Tochter umbaut, verharrt er innerlich. Als er eine Kiste mit hinterlassenen Dingen seiner Frau öffnet, beginnt er zu zweifeln. An seiner Frau, ihrer Beziehung, den zusammen verbrachten Jahrzehnten. Ingimundur erkennt, dass es im Leben seiner Partnerin dunkle Flecken gab, und entwickelt das Bedürfnis, diese Flecken mit Inhalt zu füllen.

Ingimundur sucht nach der Wahrheit

Ingrimundurs innere Gefangenheit, grandios dargestellt von Ingvar Sigurðsson („Von Menschen und Pferden“), spiegelt sich in den high-key gefilmten Bildern von Kamerafrau Maria von Hausswolff. Sie arbeitet mit kühlen, entsättigten Farben, verbirgt Landschaft und Natur oft schemenhaft hinter Regenschleiern, Schneetreiben oder Nebelschlieren, und so bleiben Südislands grandiose Landschaften meist ebenso verborgen wie die Emotionen Ingrimundurs. Trotzdem weiß der Zuschauer, dass da wie dort viel mehr zu finden ist.

Zu zweit unterwegs, Salka und Ingimundur

Je größer die Liebe zu einem Menschen ist, desto größer ist der Schmerz, wenn man alleine zurückbleibt. In „Weißer weißer Tag“ potenziert sich diese Trauer und schlägt um in die Besessenheit des Polizisten, hinter die Geheimnisse seiner Frau zu kommen. Die aufgestaute Wut bringt ihn sogar dazu, seine Enkelin anzuschreien und unfreundlich zu behandeln.

„An Tagen, an denen alles weiß ist, so dass Himmel und Erde miteinander verschmelzen, können die Toten mit den Lebenden reden“, lautet ein isländisches Sprichwort.

Regisseur Pálmason und sein großartiges Ensemble schaffen es mit wenigen Worten und reduzierter Bildsprache, ein eindrucksvolles, aber auch bedrückendes Psychogramm eines Menschen zu zeichnen. Kein Feel–good-Movie, dafür ein schauspielerisch und stilistisch starker Film, der nachhallt.

Hier der deutsche Trailer zur Einstimmung:

 

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Bilder: Arsenal Filmverleih

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