Papageientaucherpaar, Klippe, Island

Papageitaucher in Island: Wo sind die besten Beobachtungsplätze? – Katla Travel

Sie sind Islands heimliche Superstars – und das völlig zu recht. Denn kein Bewohner Islands ist niedlicher, ulkiger und vor allem fotogener als der Papageivogel, auch Puffin genannt. Aber wann und wo kann man den heimlichen Nationalvogel der Isländer am besten beobachten und fotografieren? Wir haben alle Tipps zusammengefasst.

Papageientaucher, Gras, Island
Papageitaucher, Lundi oder Puffin? Stimmt alles

Putziger geht nicht: Puffins in Aktion

Ein Glück, dass wir im Jahr 2025 hier sind und nicht in einer Zeit, als man noch mit Film fotografierte und nach 36 Bildern erst einmal Schluss war! Denn was die Papageitaucher an diesem Sommer-Tag an den Klippen bei Kap Dyrhólaey (neben dem schwarzen Sandstrand Reynisfjara) im Süden von Island für uns veranstalten, verlangt nach mehr als knapp 40 Aufnahmen, nach deutlich mehr. Neugierig watscheln einige der kleinen Kerle auf uns zu, einige sehr behend, andere ein wenig steif in der Hüfte und fast torkelnd, wie eine kleine Truppe Nachtschwärmer nach dem Kneipenbesuch. Zwei Meter vor uns machen sie dann doch halt.

Island, Papageientaucher, Puffin, Vík, Dyrhólaey, Südküste
Kesser Puffin in Südisland

Sie schauen uns noch noch eine Weile an, die Köpfe mit den markanten, dreifarbigen Schnäbeln zu Seite gelegt, und überlegen, was da für seltsame Kreaturen vor ihnen stehen, mit schwarzen kleinen Kästen vor dem Gesicht und bei jeder ihrer Bewegungen verzückt grinsend. Dann machen die Papageitaucher kehrt und watscheln zurück Richtung Klippe. Es gibt Wichtigeres zu tun, als seltsame Touristen anzusehen. Den Nistplatz weiter ausbauen zum Beispiel. Den Nachwuchs pampern und füttern. Care-Arbeit eben. Die wird bei den Puffin-Paaren fair aufgeteilt zwischen Männchen und Weibchen – dazu später mehr in diesem Beitrag.

Papageitaucher, Puffin, , Südküste, Island
Ein toller Spot für Vogelbeobachtung: Kap Dyrhólaey

Wir bleiben an unserem Platz stehen und folgen ihnen nicht. Denn auch wenn Papageitaucher sehr zutraulich wirken, gelten sie seit 2015 als gefährdete Spezies. Ein gewisser Abstand sollte immer zu ihnen eingehalten werden, und Füttern und Streicheln sind selbstredend absolut tabu.

Was genau sind Papageitaucher?

Wem man jemandem, der noch nie einen Papageitaucher gesehen hat, diesen besonderen Vogel beschreiben müsste, könnte man sagen: „Sieht aus wie eine Mischung aus Papagei und Pinguin.” Tatsächlich ähneln Papageitaucher mit ihrem frackähnlichen Gefieder und ihrem aufrechten Gang Pinguinen, ihr orange-rot-gelber Schnabel (der im Winter allerdings graubraun wird) erinnert dagegen an einen Papagei.

Papageientaucher, Fang, Fische, Schnabel, island
Mit Fisch zurück zur Bruthöhle

Tatsächlich sind Papageitaucher aber weder mit Pinguinen noch mit Papageien verwandt – anders als Pinguine können sie fliegen, und anders als Papageie leben sie nicht in tropischen und subtropischen Gebieten, sondern im Nordatlantik und im westlichen Nordpolarmeer. Papageitaucher sind Alkenvögel, werden im Schnitt 15 bis 25 Jahre alt und kommen alljährlich zwischen Frühjahr und Sommer zum Brüten an Steil- und Felsenküsten. In Island brüten jedes Jahr über 60 Prozent der weltweiten Papageitaucher-Population, der Rest verteilt sich unter anderem auf Nordamerika, Schottland, Norwegen, Irland, Grönland und Kanada. Island ist also der absolute Hot Spot für Papageitaucher!

Wann ist die beste Zeit für Puffin-Beobachtung in Island?

Das Gute bei dieser Frage: Sie ist eindeutig zu beantworten, anders als die Frage nach der besten Reisezeit für Island. Papageitaucher beobachten ist nur von März/April bis August möglich. Wenn ihr die Puffins also live und in Farbe erleben wollt, plant eine Reise für Frühling oder Sommer. Wollt ihr im Sommer kommen, bucht dies am besten frühzeitig, da es sich um eine sehr beliebte Reisezeit handelt. Solltet ihr speziell an einer Reise vor dem großen Touristenansturm interessiert sein, dann ist Island im April bzw. eine Mietwagenreise im Frühling bestimmt das Richtige für euch.

Island, Papageitaucher, Puffin, Sommer
Puffin im frühlingshaften Island

Wenn ihr dann aber in Island seid, stehen eure Chancen auf Papageitaucher bestens: Ein isländischer Freund meinte bei unserem letzten Besuch, dass zwischen April und August über sechs Millionen Papageitaucher in Island brüten würden. Fakt ist, sie brüten dort, wo sie geboren wurden, und sie brüten nur, wenn Artgenossen um sie herum sind, das heißt: In Island ballen sie sich in manchen Küsten-Gegenden in Kolonien von bis zu mehreren Zehntausend.

Wo kann man in Island am besten Papageitaucher beobachten?

In allen Regionen Islands – außer im Hochland – könnt ihr zwischen April und Mitte August Papageitaucher an bestimmten Küstenorten beobachten. Hier sind unsere Lieblingsorte für Puffin-Watching:

Süden

Die Südküste ist ein wahres Papageitaucher-Paradies: Die eingangs erwähnten Klippen von Kap Dyrhólaey (neben dem berühmten schwarzen Sandstrand Reynisfjara) sind in den Sommermonaten ein Traum für Puffin-Fans und von Reykjavík aus problemlos über die Ringstraße zu erreichen. An Kap Dyrhólaey könnt ihr auf eigene Faust auf Papageitaucher-Tour gehen, anders als beim berühmten Vogelfelsen bei Ingólfshöfði, einer kleinen isolierten Insel zwischen dem der Südküste und dem Nordatlantik. Dieser kann nur mit geführten Touren und auschließlich bei Ebbe erreicht werden. Die Südküste erkunden könnt ihr übrigens ganz entspannt während der Reisen Island zum Kennenlernen – Süd & Süd-Ost oder Island aktiv für Einsteiger – Der Süden.

Island, Papageitaucher, Puffin, Westmännerinseln
Überfahrt zu den Westmännerinseln, im Sommer Heimat Tausender Papageitaucher

Auch die Westmännerinseln südlich der isländischen Küste sind ein toller Spot für das Beobachten von Papageitauchern. Stórhöfði auf Heimaey, der einzigen bewohnten Insel, gilt sogar als eine der größten Puffin-Kolonien Europas: Jährlich nisten hier über 700.000 der Tiere. Wer sich das nicht entgehen lassen will, plant am besten rasch einen Ausflug auf die Westmännerinseln – die Fährüberfahrt von Landeyjahöfn dauert nur gut 30 Minuten.

Osten

In Ostisland liegt der Borgarjörður Eystri, einer der schönsten Fjorde Islands, durch den viele gut markierte Wanderwege durch malerische Landschaft führen. In dieser schönen Gegend, genauer gesagt im Hafen Borgarfjarðarhöfn beim Örtchen Bakkagerði, tummeln sich während der Sommermonate auch unzählige Papageitaucher, die durch eine kleine Beobachtungshütte aus bewundert werden können.

Island, Papgeitaucher, Ostisland, Puffin, Mietwagen
Wunderschöne Landschaft in Ostisland

Ebenfalls in der Nähe von Bakkagerði liegt der Felsen Álfaborg, der einen tollen Blick auf Papageitaucher gewährt. Allerdings ist der Steg, der zum Felsen führt, im Mai während des Nestbaus geschlossen. Auch der felsige Vorsprung von Hafnarhólmi bietet einen beliebten Vogel-Ausblick. Die Puffin-Hochburg Bakkagerði könnt ihr zum Beispiel während der 14-tägigen Klassischen Islandreise besuchen, bei der ihr die vier faszinierenden Regionen Islands kennenlernt.

Norden

Der Norden Islands mit der berühmten Reiseroute Diamond Circle bietet unzählige landschaftliche Höhepunkte – und einige fantastische Spots für das Beobachten von Papageitauchern. Auf der Halbinsel Tjörnes bei Voladalstorfa (ca 12 Kilometer von Húsavik, der Hochburg für Whale Watching, entfernt) führt zum Beispiel ein Schotterweg zum Leuchtweg an der Klippe, wo sich in den Sommermonaten gerne Papageitaucher tummeln. Sollte dieser Schotterweg einmal gesperrt sein, fahrt weiter Richtung Osten zur Bucht Öxarfjörður – auch hier könnt ihr zwischen April und August Papageitaucher-Kolonien beobachten.

Island, Papageitaucher, Puffin, Nordisland, Grimsey
Pagageitaucher und wilder Atlantik auf der Insel Grimsey

Auch die Insel Lundey vor Húsavik ist ein beliebter Brut-Platz unter den Puffins. Ein Aufenthalt auf der Insel ist zwar nicht möglich, aber ihr könnt ab Húsavik eine Boots-Tour buchen, bei der man die Insel passiert (beispielsweise eine Whale & Puffin Watching Tour). Wer sich noch weiter in den Norden wagen will: Auf der Insel Grimsey, von Akureyri mit dem Flugzeug und von Dalvík mit einer dreistündigen Fähr-Fahrt erreichbar, findet ihr ebenfalls tolle Beobachtungs-Spots. Übrigens: Die ideale Gelegenheit, um sowohl das erwähnte Papageitaucher-Paradies Kap Dyrhólaey zu besuchen als auch die Städte Akureyri und Húsavik, ist die Reise Entspannung Pur – Ferienhausurlaub Süd & Nord!

Westen

In den landschaftlich einmaligen Westfjorden befindet sich Látrabjarg, einer der wohl berühmtesten Vogelfelsen in ganz Island. Die Klippenlinie ist hier geschwungen und bietet tolle Standpunkte für Fotos – sowohl von den unzähligen Puffins als auch von den spektakulären Ausblicken auf den Atlantik. Auf der Reise Geheimnisvolle Westfjorde könnt ihr den legendären Látrabjarg besuchen.

Frau, Wanderweg, Latrabjarg, Island
Mitternachtssonne bei Látrabjarg, einem der Hotspots für die Papageientaucher-Beobachtung

Ebenfalls in den Westfjorden liegt die Insel Vigur, die in den Sommermonaten gerne von Puffins angeflogen wird. Auf die Insel kommt ihr per Bootsausflug von Ísafjörður, der schon ein Abenteuer für sich ist. Weitere Top-Spots zur Vogel-Beobachtung in Islands Westen sind der Fjord Breiðafjörður zwischen den Westfjorden und Snaefellsnes und die Fjord-Inseln Þórishólmur oder Steinaklettar.

Von Reykjavík aus

Ja, auch während einer Städtereise nach Reykjavík könnt ihr Papageitaucher beobachten, nämlich während der einstündigen Bootsfahrt von Reykjavík zu den kleinen, unbewohnten Felseninseln Lundey oder Akurey. Die Touren starten im Alten Hafen von Reykjavik, direkt neben dem Stadtzentrum, und auch wenn man das Boot dabei nicht verlässt, kommt man den Puffins doch faszinierend nah – und kann hervorragend Bilder von Bord aus schießen.

Papageientaucher, Kolonie, Gras, Island
Papageientaucherkolonie am Vogelfelsen auf der Insel Lundey

Wo immer ihr Vögel beobachtet – es ist absolut wichtig, sämtliche Warnschilder zu beachten und nicht zu nahe an die Kanten zu gehen. Tolle Bilder könnt ihr trotzdem machen!

Was ist das Besondere an Papageitauchern?

Pagageitaucher gehören zu den pelagischen Vögeln, die nur zur Brutzeit an die Küsten kommen und ihre restliche Lebenszeit – ungefähr die Spanne von August/September bis April – auf offener See zubringen. Das ist eine beeindruckend lange Zeit und zuweilen ziemlich stürmisch, wenn man an die Wintermonate denkt! Viele Vögel balzen sich an der Küste zueinander, aber einige flirten schon über dem Meer und kehren im April bereits als Paare an Land zurück und starten dort den Haus-, äh Nestbau. Eine süße Vorstellung.

Papageientaucher, Klippe, Meer, Island
Zwei Puffins in einer Steilküste im Süden Islands

Puffin und Co.: Wie wird der Papageitaucher noch genannt?

Das isländische „Lundi“ und das englische „Puffin“ kommen ja noch schlicht daher, beim deutschen Wort „Papageitaucher“, häufig auch „Papageientaucher”, wird es dann schon bunter. Aber die Italiener schießen eindeutig den Vogel ab bei der Namensgebung für unseren kleinen Freund: „Pulcinella di mare” nennen sie die Tiere– was wörtlich übersetzt so etwas wie „Hanswürste der Meere“ bedeutet. Ob das mit dem blaugrau, orange, gelb und rot gemusterten dreieckigen Schnabel zusammenhängt, der ein bisschen clown-artig wirkt?

Buntstiftzeichnung, Papageientaucher, Island
Auch als Zeichenobjekt beliebt
Puffin, Island, Papageientaucher
Bleistiftskizze von Puffin

Wie leben Papageitaucher-Paare zusammen?

Einer kümmert sich vorwiegend ums Kind – bei den Papageitauchern ist das kein Thema, hier wird die Care-Arbeit fair 50:50 aufgeteilt (was viele menschliche Paare anstreben, aber in der Realität einfach oft nicht schaffen). Bei den Puffins versorgen Männchen und Weibchen den Nachwuchs zu gleichen Teilen mit Nahrung, die aus Sand-Aalen, kleinen Fischen und Krebstieren besteht. Die kleinen Lundis sind „Nesthocker“, d.h., sie verlassen das traute Heim erst, wenn sie fliegen können, was in der Regel nach ca. 40 Tagen der Fall ist.

Island, Papageitaucher, Puffins, Reynisfjara, Dyrhólaey
„Schaaaatz! Du musst noch einkaufen.” – „Mach ich sofort, Liebste!” (Papageitaucher teilen sich die Hausarbeit)

Hat man Papageitaucher früher gegessen?

Der Verzehr von Papageitauchern ist heute in Island eher die absolute Ausnahme als die Regel, aber noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Vogel als Mahlzeit relativ weit verbreitet. Heute findet sich sein Name zwar noch gelegentlich auf Speisekarten (so gibt es z.B. in Reykjavík eine Tapas-Bar, in der es geräucherten Papageientaucher mit Blaubeer-Brennivín-Soße gibt), aber die allermeisten Isländer haben längst Abstand vom Vogel-Konsum genommen – Gott sei Dank!

Denn in freier Wildbahn sind sie immer noch am aller-, allerschönsten!

Papageientaucher, Klippe, Aussicht, Meer, Island
Papageitaucher an der Klippe von Látrabjarg

Fazit

Island ist in den Sommermonaten die perfekte Destination, um die faszinierenden Papageitaucher zu erleben. Egal, ob auf einer Bootstour oder von Land aus, es gibt viele Möglichkeiten, dem isländischen Nationalvogel auf einer Rundreise näher zu kommen. Wenn ihr am Anfang der Nistsaison (Ende April bis Juni) unterwegs seid, habt ihr übrigens zusätzlich noch die Mitternachtssonne als ständige Begleiterin! Neben den Puffins bevölkern im Sommer aber noch weitere zehntausend andere Vögel Island und ziehen OrnothologInnen aus der ganzen Welt an.

Ringstraße, Auto, Mann, Natur, Island
Pause an der Ringstraße, kurz vor den Puffins

 

Fotos: Thomas Linkel (2), Carina Pilz (1), Unsplash: Yves Alaire, Michael Blum, Bill Dennen, Nicholas Kampouris, Yvon Hogen, Glen Hooper, Anina Huber, Khamkéo, Ben Michel, Jonatan Pie, Kristinn Runarsson, Khamkeo Vilaysing, Jolan Wathelet

 

Regelmäßig Updates über Island erhalten

Möchten Sie weitere Artikel über Island lesen und gut informiert bleiben? Dann abonnieren Sie einfach unseren Blog.

Wir informieren Sie regelmäßig über

  • Feste
  • Neuigkeiten
  • Traditionen
  • Reisetipps
  • und Sonderangebote

Bei Veröffentlichung neuer Blogartikel erhalten Sie eine Nachricht an die angegebene E-Mail-Adresse. Mit dem Absenden erklären Sie sich mit unseren Datenschutzbestimmungen einverstanden.