Tauchen und Schnorcheln in Island

Vielleicht nicht das Erste, woran man in Island denkt, und trotzdem eine der beliebtesten Aktivitäten auf der kleinen Insel im Nordatlantik: Tauchen

Nicht nur mit Tauchschein kann man hier atemberaubende Orte entdecken, denn alle Anbieter sind auch für das Schnorcheln bestens ausgerüstet. Wie man es erwarten würde, sind sämtliche Wassersportarten in Island mit kaltem Wasser verbunden, doch die Isländer haben hierfür wie immer gute Lösungen gefunden.

Wer also ein wenig Abenteuer in seinen Islandaufenthalt bringen und beispielsweise von sich sagen können möchte: “Ich bin einmal in eiskaltem Wasser zu Fuße eines Vulkans zwischen zwei Kontinenten getaucht”, der sollte nun weiterlesen …

Silfra – Tauchen & Schnorcheln zwischen den Kontinenten

Island hat unzählige Seen zu bieten, einer der berühmtesten ist der Þingvallavatn im Þingvellir Nationalpark. Ihn besuchen die meisten Touristen, da er Teil des berühmten Golden Circle ist, auf dem man neben der Fahrt durch den Nationalpark auch noch am Geysir Strokkur und am Wasserfall Gullfoss vorbeikommt.

 

Silfra heißt die Felsspalte im Nationalpark, mitten im Graben zwischen den Kontinenten. Hier driftet die nordamerikanische Platte nach Westen und die eurasische nach Osten. Durch Vulkanausbrüche ist ein Lavafeld entstanden, durch welches sich das Wasser des Vatnajökull über viele Jahrzehnte seinen Weg in den See suchte.

Durch die Filterung des Wassers und die Tatsache, dass es nach so vielen Jahren hier zum ersten Mal wieder an die Oberfläche tritt, ergibt sich eine der klarsten Stellen zum Tauchen. Sichtweiten von über 100 Metern bieten eine absolut einmalige und atemberaubende Kulisse. Zwischen Felswänden taucht man in bis zu 18 Meter Tiefe wortwörtlich zwischen den Welten und kann an einigen Stellen sogar beide Kontinentalplatten gleichzeitig berühren.

Wer keinen Tauchschein hat, muss sich allerdings keine Sorgen machen: Dieses Erlebnis kann man auch ohne jegliche Vorkenntnisse erfahren, denn zum Schnorcheln braucht man lediglich den Willen, sich in das kalte Wasser zu legen und die Aussicht zu genießen. Erfahrene Guides stehen einem jederzeit zur Seite und machen den Ausflug zu einem sicheren Erlebnis.

Kleifarvatn – Tauchen & Schnorcheln im Sektglas

Seit einiger Zeit werden Tauch- und Schnorcheltouren auch in einem See südlich von Reykjavík angeboten, der es in sich hat. Der See Kleifarvatn liegt relativ nah am Geothermalgebiet Seltún bei Krýsuvík. Hier, am Rande eines der größten Lavafelder Islands, ist die Erde noch sehr aktiv, was man an der Oberfläche sowie unter Wasser sieht.

Wer hier tauchen oder schnorcheln geht, wird sich wie in einem riesigen Sektglas fühlen, denn überall aus dem Boden steigen kleine und große Gasbläschen herauf. Selbst unter Wasser hat man das Gefühl, Schwefel zu riechen, und manchmal kann man am Sand sehen, wie dieser sich in Spiralen windet.

Der See ist aktiver und dynamischer, als es auf den ersten Blick erscheint: Manchmal sinkt der Wasserspiegel quasi über Nacht um mehrere Meter ab, nur um sich wenige Tage darauf wieder langsam durch Regenwasser zu heben. Auch bei den vielen kleinen Erdbeben, die in Island regelmäßig vorkommen, hebt und senkt sich der Wasserspiegel oft merklich.

Dieses Tauch-Schnorchel-Erlebnis bietet sich vor allem als kurze Tagestour in Verbindung mit der Besichtigung des Geothermalgebietes an. Hierbei kann man von den erfahrenen Guides alles zum Thema Geologie und Vulkanologie in Island erfahren.

Strytan – Tauchen, wo das Leben entstand, und Schnorcheln mit Walen

Strytan ist zunächst etwas für die erfahrenen Taucher unter den Lesern. Trotzdem bietet sich auch etwas für Schnorchler und sogar für die, die das Wasser wirklich nur von außen sehen wollen.

Strytan selbst ist wie ein großer Stalagmit. Doch wächst er nicht von einem Höhlen-, sondern vom Meeresboden in einem kleinen Fjord in der Nähe von Akureyri. Der Kamin ist fast 70 Meter hoch, und aus hunderten kleinen Öffnungen steigt kochend heißes, über tausend Jahre altes Wasser nach oben. Dabei bilden sich bizarre Schlieren, denn das umgebende Wasser des Atlantik ist oft nur knapp über 0°C. Taucher Erlendur Bogasson entdeckte den Kamin vor einigen Jahren und widmet sich seitdem der Pflege und Erforschung dieser Region. Das kleine Tauchcenter ist mit viel Liebe eingerichtet und der Tauchbetrieb wird mit großem Fokus auf Nachhaltigkeit geleitet.

Auch ohne Tauchschein kann man einen Tauchgang auf dem Boot begleiten, Schnorcheln oder Standup Paddling ausprobieren und dabei mit etwas Glück Wale beobachten, die sich immer wieder im Fjord tummeln. Durch die Abgelegenheit und Erlendurs wachsames Auge ist hier oben einer der schönsten Orte, um mit den großen Meeressäugern in Kontakt zu kommen.

Mehrtägige Touren zum Tauchen in Island

Tauchenthusiasten können sich überlegen, ob eine mehrtägige Tauchtour etwas für sie sein könnte. Von zwei, drei bis hin zu zehn Tagen werden Touren angeboten die dann auch noch Divespots wie DavidsjaBjarnagjaGardur, das Wrack El Grillo bis hin zu Destinationen in Grönland ansteuern.

Dabei ist Gänsehaut garantiert, nicht weil es so kalt ist, sondern wegen der einmaligen Erlebnisse. Nicht nur Divespots werden bei diesen Touren angesteuert, sondern auch beeindruckende Wasserfälle und Sehenswürdigkeiten wie die Mývatn Region mit einigen der schönsten heißen Quellen in Island. Im Süden führt die Route entlang der Südküste von Island zu Orten wie Vík und der Gletscherlagune Jökulsárlón.

Diese Touren werden nur im Sommer angeboten, weil es im Winter extrem schwierig ist, das Wetter abzuschätzen und eine sichere Reise zu gewährleisten. Wer im Winter in Island unterwegs ist, kann trotzdem durchaus Tauchen gehen, denn Silfra ist das ganze Jahr über gleich warm bzw. kalt.

Das kann man dann zum Beispiel mit anderen Winterausflügen kombinieren. Zum Beispiel kombiniert mit einer 5-tägigen Rundreise entlang der Südküste oder einer Gletscherwanderung. Mit unseren Reisebausteinen können Sie außerdem ideal eine eigene, individuelle Reise nach Island zusammenstellen und Ausflüge so einbauen, wie es für Sie am besten passt.

 

Über den Autor

Marc Herbrechter hat drei Monate als Tauch-Guide in Island gearbeitet und ist dabei endgültig von der großen Island-Liebe gepackt worden. Mit dem Island Blog und der dazugehörigen Island App möchte er Islandreisende bei ihrem großen Abenteuer unterstützen.