Auswandern nach Island - deutsche Frauen vor 70 Jahren

70. Jahrestag: Deutsche Auswanderinnen in Island

“Island sucht Dienstmädchen für Landhaushalte. Bewerbungen an das Isländische Vizekonsulat in Lübeck. Postfach 455”. Als diese Anzeige am 26. April 1949 in den “Lübecker Nachrichten” erschien, lag Deutschland zu großen Teilen in Schutt und Asche. Es mangelte an allem, an Nahrung, Wohnraum, Arbeit, Perspektiven – und an Männern. In Deutschland kamen zu dieser Zeit auf einen Mann fünf Frauen, auf den Bauernhöfen Islands herrschte dagegegen akuter Frauenmangel.

Neubeginn in Island

Hunderte deutsche Frauen emigrierten in Folge der Anzeige in das Land im hohen Norden, von dem viele zuvor noch nie etwas gehört hatten. Da sich dieses Jahr die Ankunft der ersten deutschen Frauen mit dem Dampfer „Esja“ zum 70. Mal jährt, zeigen wir euch, wo und wie ihr mehr Informationen zu diesem spannenden Thema finden könnt:

  1. Ausstellung “HEIMAt – Two Worlds” im Freilichtmuseum Árbæjarsafn in Reykjavík bis 31. Oktober 2019
  2. Das Sach-Buch “Frauen, Fische, Fjorde” von Anne Siegel
  3. Der Roman “Nordbräute” von Anne Siegel
  4. Der Roman “Das Versprechen der Island Schwestern” von Karin Baldvinsson
  5. Elvira – eine starke Frau in Akranes

 

1. Ausstellung “HEIMAt – Two Worlds” in Reykjavík

Deutsche Einwanderin Island Landschaft
Die Ausstellung “HEIMAt – Two Worlds” gibt Einblick in das Leben deutscher Einwanderinnen in Island.

 

Während seines Staatsbesuchs in Island im Juni 2019 eröffnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Ausstellung „HEIMAt – Two Worlds“ im Freilichtmuseum Árbæjarsafn in Reykjavík. Herzstück der Ausstellung ist das Projekt „HEIMAt“ von Marzena Skubatz, die einige der noch lebenden deutschen Einwanderinnen poetisch und eindrucksvoll fotografiert hat. Steinmeier würdigte in seiner Rede die Leistungen der Frauen, die 1949 mit dem Dampfer “Esja” Island erreichten: „Beziehungen zwischen Staaten sind nicht allein eine kühle Kombination von geografischer Lage und politischen und wirtschaftlichen Interessen. Das ist es nicht allein. Sondern Beziehungen zwischen Staaten werden von Menschen geprägt und von Menschen getragen.“

Die Ausstellung ist noch bis 31. Oktober 2019 in Reykjavík zu sehen, ab 2020 im Akureyri Art Museum.

2. “Frauen, Fische, Fjorde”

Fische, Frauen, Fjorde. Deutsche Einwanderinnen in Island” von Anne Siegel ist DAS Buch zum Thema. Sensibel und mitreißend schildert die Autorin die heute betagten Frauen, wie sie überwältigt wurden von der Gastfreundschaft der Bewohner und der Wildheit der Natur; wie sie als Landarbeiterinnen ein neues Zuhause fanden, Familien gründeten und für immer blieben – wie zum Beispiel Hilde Anna Minna Raabe aus Lübeck

Hilde kam nach Grójtnes, nördlich von Kópasker, dem letzten Ort vor dem Polarkreis. Zwei Wohnhäuser, ein paar Ställe, dahinter nur noch der Leuchtturm und das Meer. Weiter als sie ging tatsächlich keine der anderen Frauen in den Norden. Aus Hilde wurde Híldur, aus dem ursprünglich geplanten Jahr ein ganzes Leben. Sie heiratete einen Isländer und blieb bis zu ihrem Tod in ihrer neuen Heimat, wie die meisten der deutschen Einwanderinnen.

3. “Nordbräute”

Anne Siegel hat das Thema auch fiktional verarbeitet – in ihrem Roman „Nordbräute“, der während Islands Finanzkrise im Oktober 2008 einsetzt: Während in Reykjavík wütende Massen ob der finanziellen Notlage ihres Landes demonstrieren, beschließt die alte Christa am Vorabend ihres neunzigsten Geburtstags, ihrer isländischen Familie endlich reinen Wein über ihre Herkunft einzuschenken. Doch das mit der Wahrheit ist so eine Sache für die eigensinnige Christa, die sich über Jahrzehnte in Heimlichkeiten verstrickt hat. Kein Wunder also, dass die alte Dame mit ihrer Lebensbeichte die ganze Sippe in helle Aufregung versetzt. Sympathisierte Christa, die 1949 von Deutschland nach Island auswanderte und es zur reichsten Immobilienmaklerin der Insel brachte, etwa mit den Nazis? Und was hat Christas deutschstämmige Freundin Jóhanna mit all dem zu tun?

Reykjavík Blues“, die Fortsetzung von “Nordbräute”, erscheint im Juli 2019.

4. “Das Geheimnis der Island Schwestern”

Ganz frisch erschienen ist der Roman “Das Versprechen der Island Schwestern” von Karin Baldvinsson, der das Thema auf zwei Zeitebenen behandelt:

2017: Pia macht sich mit ihrer Großmutter auf die Reise nach Island zum 90sten Geburtstag von Omas Schwester. Seit Jahrzehnten haben die Schwestern nicht miteinander gesprochen. Zwischen ihnen steht ein unausgesprochenes Geheimnis …

1949: Die Schwestern Margarete und Helga machen sich aus dem kriegszerstörten Deutschland auf den Weg nach Island, um dort ein Jahr lang auf einem Bauernhof zu arbeiten. Sie wollen sich auf der rauen, ursprünglichen Insel ein neues Leben aufbauen. Während Margarete sich in den Isländer Théo verliebt, zehrt das Heimweh an Helga. Ist das Glück der einen Schwester das Unglück der anderen?

 

5. Elvira – Eine starke Frau in Akranes

Im Jahr 2017 hat unser Team, zusammen mit der Journalistin Ina Lambach, eine Auswanderin in Akranes, Westisland, besucht. Die liebe Elvira kam 1949 über Königsberg und Hamburg nach Island – und blieb bis heute. Unser Treffen mit Elvira beschreibt Ina in Ihrem Artikel.

 

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