Gletscherlagune, Jökulsarlon, Island

Wanderung an der Gletscherlagune Jökulsárlón

In einem Gebiet, in dem sich bis vor 40 Jahren nur die Gletscherlagune Jökulsárlón befand, hat der Klimawandel und in Folge die Gletscherschmelze dazu beigetragen, dass heute drei Lagunen in einer sich ständig verändernden Landschaft besucht und erwandert werden können.

Die Gletscherlagune Jökulsárlón gehört zu den bekanntesten Reisezielen in Island. Die milchig-weißen und hellblau glitzernden Eisberge, die auf der Lagune schwimmen, beeindrucken jedes Jahr tausende Besucher aus der ganzen Welt. Die wenigsten wissen jedoch, dass es diese atemberaubende, glazial geprägte Landschaft vor einem Jahrhundert noch nicht gab. Die Gletscherlagunen gehen auf den Klimawandel zurück, der seit den 1920er Jahren nicht nur den Breiðamerkurjökull schmelzen lässt.

Eisberge, Gletscherlagune, Jökulsarlon, island
Faszinierende Eisberge auf der Gletscherlagune Jökulsárlón

Island ab 1900

Anfang des 20. Jahrhunderts reichte die Gletscherzunge sogar bis fast an den Atlantik, danach zog sie sich immer weiter zurück, hinterließ den tiefsten See Islands (ca. 250 m), eben die Gletscherlagune Jökulsárlón, und in Folge der sich verstärkenden Gletscherschmelze nun auch die Lagunen von Fjallsárlón und Breiðarlón. Zwischen den Lagunen im Breiðamerkursandur wurde ein 15 Kilometer langer Wanderweg angelegt, der in Zukunft bis zum Nationalpark Skaftafell verlängert werden soll.

Parkplatz, Jökulsarlon, Island
Morgenstimmung auf dem Parkplatz der Lagune

Wer diesen Wanderweg von Lagune zu Lagune geht, taucht hautnah in die faszinierende Welt der Gletscher ein, lernt Fauna und Flora beim Spazierengehen kennen, denn entlang des Weges weisen Tafeln auf Besonderheiten des Areals rund um Jökulsárlón hin.

Sonnenaufgang am Gletscher

Als wir aus unserem Auto steigen, geht im Osten gerade die Sonne auf. Ein paar Nebelschwaden hängen über dem Parkplatz der Lagune Fjallsárlón. Einige Wohnmobile mit Tau auf Scheiben und Motorhauben stehen auf der von Pfützen übersäten Fläche. In den Panoramafenstern des Besucherzentrums spiegeln sich Sonnenstrahlen und Landschaft.

Fjallsaron, Besucherzentrum, Island
Das Besucherzentrum ist Ausgang unserer Wanderung

Die Lagune von Fjallsárlón

Kurz danach ersteigen wir die erste Moräne, und die Gletscherlagune Fjallsárlón breitet sich vor uns aus. Wie kleine, weiße Tupfer schwimmen Eisberge auf dem See, in dem sich die Farben von Himmel, Schotter, Bergen und Eis vermischen. Die Gletscherzunge liegt wie ein ausgerollter Teig zwischen dunklen Felsenpyramiden, Gletscherbrüche leuchten hellblau, im oberen Teil verschwindet das Eis immer wieder in vorbeiziehenden Wolken.

Gletscherlagune, Fjallsarlon, Island
Die Gletscherlagune Fjallsárlón

Kalte Luft streicht vom Vatnajökull, dem größten Gletscher Europas, über die Lagune, umfängt uns und zieht weiter Richtung Meer. Skuas, Raubmöwen, steigen von ihren Nistplätzen in der Moränenlandschaft auf und lassen sich vom Wind treiben.

Ein Wanderweg für uns allein

Wir wandern auf einem gut beschilderten Pfad weiter und passieren die Landestelle, an der bunte Schlauchboote auf den ersten Einsatz des Tages warten. Aber noch ist es viel zu früh und die meisten Touristen sitzen in ihren Ferienhäusern oder Hotels beim Frühstück.

Fjallsarlon, wandern, Island
Wandern zwischen Fjallsárlón und Jökulsárlón

Weltmeister im Langstreckenfliegen

Während wir auf einem leicht gewundenen Weg zwischen Moränenwällen und -tälern spazieren, hören wir immer wieder lautes Knallen, dann brechen große Eisblöcke aus der Gletscherzunge und stürzen in die Lagune. Als wir einen großen Findling umrunden, steigen einige Küstenseeschwalben ärgerlich rufend vor uns auf.

Moose, Island
Farbtupfer auf dem Weg zwischen den Lagunen

Von einigen Exemplaren ist bekannt, dass sie in einem Jahr bis zu 90.000 Kilometer von der Arktis in die Antarktis und zurückfliegen, im Schnitt sind diese Zugvögel mit dem charakteristisch rotem Schnabel und dem schwarz gefiederten Kopf im Jahr etwa 30.000 Kilometer unterwegs.

Farbige Tupfer in einer Landschaft aus Geröll

Zwischen grau-braunem Geröll finden wir kleine bewachsene Flächen mit Blau- und Krähenbeeren, die wir für unser Frühstück sammeln, immer wieder passieren wir ehemalige große Felsen, die vom Frost gesprengt worden und zu tausenden Stücken zerbröselt sind und wie ein ausgeschüttetes Puzzle in der Landschaft liegen.

Krähenbeeren, Island
Krähenbeeren sind Vitamin-C-Bomben

Als die Sonne so stark geworden ist, dass ihre Wärme auf unseren Gesichtern zu spüren ist, machen wir halt und setzen uns im Windschatten eines großen Felsen zum Frühstück. Bald dampft Kaffee in unseren Tassen, frisch gepflückte Beeren, Nüsse und Skyr vermischen sich in unseren Schalen.

Wanderpause, Felsen, Island
Perfekter Pausen-Platz

Island ist Erholung pur

Vor uns in Richtung Süden, Westen und Osten erstreckt sich eine hügelige Landschaft aus grau-gelb-grünen Farbtönen, Wellen aus Schotter, die erst der Gletscher und dann sein Schmelzwasser hier im Breiðamerkursandur in den vergangenen 100 Jahren abgelagert haben.

Landschaft, Moosteppich, Island
Von Gletschern geprägt. Landschaft zwischen Fjallsárlón und Jökulsárlón

Der Wind treibt plustrige Wolken über den Himmel, Schatten ziehen Richtung Meer, dazwischen fliegt ein großer Schwarm Nonnengänse Richtung Gletscherlagune Jökulsárlón. Wir lehnen uns zurück, genießen die Wärme der Sonne und die Stille um uns.

Rentiere am See Breiðarlón

Einige Kilometer später queren wir ein paar Bäche und erreichen die zweite Lagune Breiðarlón. Mit dem Fernglas entdecken wir in der Ferne eine Herde Rentiere, die sich langsam auf dem Horizont bewegt. Die ersten Rentiere wurden im 18. Jahrhundert aus Norwegen eingeführt, und ohne natürliche Feinde (dafür ist der Polarfuchs als größtes Raubtier in Island wirklich zu klein) hat sich ihre Zahl in Island kontinuierlich erhöht.

Lagune, Breidarlón, Island
Zwischen Fjallsárlón und Jökulsárlón: Lagune Breiðarlón

Ihre breiten Hufe fungieren im Winter wie Schneeschuhe, mit denen sie kaum einsinken, und dienen den Tieren auch dazu, im Schnee nach Moosen und Flechten zu graben. Ihr Fell besteht aus hohlen Haaren, isoliert hervorragend und hilft den Rentieren auch durch den zusätzlichen Auftrieb beim Schwimmen.

Gletscher soweit das Auge reicht

Hinter der Lagune Breiðarlón liegt die Gletscherzunge des Breiðamerkurjökull, die an ihrem östlichen Ausläufer auch in die Gletscherlagune Jökulsárlón kalbt. Auf Breiðarlón schwimmen die Eisberge nur in der Nähe der Zunge, der größte Teil des Sees besteht aus einer weiten Wasserfläche, in der sich der blaue Himmel spiegelt und an dessen steinigem Ufer wir einige Zeit entlangmarschieren, bis uns der Weg über die Mittelmoränen Esjufjallarönd und Máfabyggðarönd weiter nach Osten führt.

wandern, Island
Von Moräne zu Moräne

Von einer Anhöhe sehen wir kleine Punkte auf der Ringstraße entlangflitzen, im Norden gleißen die Eismassen des Vatnajökull im späten Vormittagslicht.

Frühe Besiedlung in Island

Alten Überlieferungen zufolge begann die Besiedlung des Breiðamerkursandur vor etwa 1100 Jahren. Damals war das Gebiet von Wald bedeckt, der sich vom Meer bis hinauf zu den Bergen erstreckte. Laut Aufzeichnungen lagen einige Höfe südlich des Breiðarlón, worauf Hofnamen wie Breiðá und Breiðabólstaður hindeuten.

Schlauchboote, Fjallsarlon, Island,
Schlauchboote für Touren auf Fjallsárlón

Typisch Island: Vulkanausbruch unter dem Gletscher

Die Siedler hielten Vieh und gingen fischen, aber im Jahr 1362 brach der Vulkan unter dem Öræfajökull aus, verwüstete wohl weite Teile des Landes und verschluckte möglicherweise durch verheerende Gletscherläufe auch die ältesten Bauernhöfe. Ab dem 13. Jahrhundert kühlte sich das Klima allmählich ab und sorgte dafür, dass die Gletscher ins Vorland wuchsen und die Besiedlung immer schwieriger wurde.

Zunächst wachsen die Gletscher, dann beginnt das große Schmelzen

Der Breiðamerkurjökull erreichte dann im 18. und 19. Jahrhundert seine größte Ausdehnung und wuchs bis fast an den Atlantik. Die Klimaerwärmung ab dem 20. Jahrhundert sorgte dafür, dass sich die Gletscher zurückzogen und große Lagunen und weite Schotterflächen hinterließen, durch die sich der Wanderweg heute schlängelt.

Gletscherlagune, Jökulsarlon, Eisberge, Island
Faszinierende Welt aus Eis: Jökulsárlón

Nach weiteren ca. 4 Kilometern in dieser glazial geprägten Landschaft erreichen wir die Gletscherlagune von Jökulsárlón.

Atemberaubend: Die Lagune von Jökulsárlón

Nach den Erdtönen der vergangenen Stunden treffen plötzlich unterschiedliche Farben unsere Netzhaut. Eisberge verschiedenster Größen und Formen treiben auf dem See, manche schimmern gleißend weiß, andere sind schwarz-weiß gestreift, manche erstrahlen in klarstem Hellblau. Wir lassen uns von diesem Anblick überwältigen, setzen uns auf den Moränenwall, der Jökulsárlón umgibt, fotografieren, staunen, laufen ans Ufer und fischen kleine Eisstücke aus dem Wasser.

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Zum Staunen: Gletscherlagune Jökulsárlón

Uraltes Eis treibt auf dem See

Das Eis des Vatnajökull kann bis zu 1.000 Jahre alt sein, vom Kalben an der Abbruchkante der Gletscherzunge bis zum Abschmelzen im See können mehrere Jahre vergehen. Sind die Eisberge klein genug, werden sie von Wind zum Lagunenabfluss getrieben und schwimmen hinaus ins Meer.

Diamond Beach, Island
Von der Gletscherlagune an den Strand

Die Meeresströmung sorgt dann dafür, dass manche zurück an den schwarzen Sandstrand „Diamond Beach“ südlich von Jökulsárlón gespült werden. Wo sie einerseits von der Sonne bestrahlt zu funkelnden Eisschmuckstücken werden, andererseits von ihr zu Wasser geschmolzen werden und in den Wellen des Atlantik verschwinden.

Rückfahrt zwischen den Lagunen entweder mit dem Linienbus oder per Anhalter. Die Entfernung auf der Ringstraße beträgt ca. 10 Kilometer.

Ihr wollt einen Boostausflug auf der Gletscherlagune Jökulsárlón unternehmen? Dann bucht doch einfach bei uns.

Fotos: Thomas Linkel, Carina Pilz

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